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Neun Hockeyspielerinnen stehen hintereinander und nehmen sich an der Schulter

Die ideale Gruppengröße: Neun Mitglieder

Menschen arbeiten dann am besten zusammen, wenn die Gruppe nicht zu klein und nicht zu groß ist. Neun ist die ideale Gruppengröße, berichtet ein internationales Forscherteam. In einer aktuellen Studie untersuchten die Wissenschaftler das Verhalten von Menschen, die sich für den Schutz von Pandabären in China engagieren.

Systemforschung 18.06.2013

Zu den Forschern zählen Wu Yang von der Michigan State University und Wei Liu, der derzeit am Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien arbeitet.

Die Studie:

"Nonlinear effects of group size on collective action and resource outcomes" von Wu Yang und Kollegen erscheint am 18.6.2013 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Mit Nobelpreis ausgezeichnete Vorarbeit

Inspiriert wurden sie von Elinor Ostrom, der "Wirtschafts-Nobelpreisträgerin" 2009. Die schwedische Ökonomin geht davon aus, dass Menschen in der Lage sind, Gemeingüter wie Weideland, Fischgründe oder Wälder sinnvoll und nachhaltig zu nutzen. Und zwar ohne dass es dazu einer ordnenden Hand wie jener des Marktes oder des Staates bedarf, wie es viele ihrer Kollegen aus den Wirtschaftswissenschaften meinen.

Die Anwohner einer Allmende wissen am besten, wie sich knappe natürliche Ressourcen verwalten lassen: Das zeigte Ostrom 1990 in ihrem Buch "Governing the Commons" anhand zahlreicher Beispiele.

In den Gruppen, die diese Gemeingüter bewirtschaften, sind aber stets soziale Dilemmata zu beobachten, die mit der Anzahl ihrer Mitglieder zusammenhängen. Ist eine Gruppe klein, können die einzelnen Mitglieder von den Aufgaben, die es zu erledigen gilt, überfordert werden. Ist sie groß, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einige nichts zum Gelingen beitragen und sich als Trittbrettfahrer entpuppen.

Einige der Bewohner des Wolong-Naturreservats beim Suchen nach Spuren für illegales Holzfällen

Michigan State University

Einige der Bewohner des Wolong-Naturreservats beim Suchen nach Hinweisen zu illegalem Holzfällen

Panda-Schutzpark in China untersucht

Es muss also eine Gruppengröße geben, bei der Einsatz und Wirkung am besten funktioniert, wie Ostrom annahm. Diese ideale Größe nicht in künstlichen Versuchssituationen, sondern im richtigen Leben zu ermitteln, ist aber alles andere als einfach. Wang und seinen Kollegen ist es nun dennoch gelungen.

Die Forscher haben das Verhalten der Bevölkerung im Wolong-Naturreservat analysiert. In dem Naturschutzpark im Westen der chinesischen Provinz Sichuan leben rund 5.000 Menschen in 1.200 Haushalten und - das ist entscheidend - auch zehn Prozent aller Pandabären in freier Wildbahn.

Seit rund 20 Jahren gibt es in China ein nationales Programm zum Schutz der Tiere; auch in der bewaldeten Bergregion des Wolong-Naturreservats, wo Anfang des Jahrtausends ein Großteil der Bewohner am Naturschutz beteiligt wurde. Bis heute bekommen sie von einer staatlichen Behörde Geld dafür, dass sie bestimmte, ihnen zugewiesene Abschnitte des Waldes beobachten und Aktivitäten wie illegales Holzfällen melden.

Der goldene Mittelweg

Über einen Zeitraum von sechs Jahren verfolgte das Team um Wang die Geschehnisse in Wolong. Sie verglichen den geleisteten Arbeitsaufwand von 1.100 Haushalten mit den Resultaten: dem Zustand des Waldes vor und nach dem Ende der Studie (2001-2007), den sie durch Satellitenaufnahmen maßen.

Die Haushalte bestanden aus einer bis 16 Personen, und die Auswertung der Daten zeigte einen "nonlinearen Effekt", wie es im Wissenschaftsjargon heißt. Übersetzt: Sowohl kleine als auch große Gruppen sind nicht ideal. Bei mittleren Gruppengrößen hingegen - acht bis neun Haushalte - waren sowohl die Anstrengung zur Naturüberwachung als auch die gewünschten Resultate am besten.

In den Waldstücken, die von dieser Anzahl an Haushalten geschützt wurde, zeigten die Satellitenaufnahmen am meisten nachgewachsene Bäume - und das gilt als Indikator für das angestrebte Ziel, den Schutz der Pandabären.

Haushalte, nicht Einzelpersonen untersucht

Die ideale Gruppengröße mit den relativ wenigsten Trittbrettfahrern und dem besten Input-Output-Verhältnis scheint also bei acht oder neun zu liegen, schreiben die Forscher. Auch wenn sie Haushalte und nicht Einzelpersonen untersucht haben, lassen sich ihre Resultate auch auf diese übertragen, wie sie nahelegen.

Entscheidend sei der optimale Bereich zwischen zwei entgegengesetzten Tendenzen: Auf der einen Seite belasten kleinere Gruppen die Einzelnen zu sehr, auf der anderen Seite ziehen größere Gruppen Opportunisten an, die nichts zum Erfolg beitragen. Im goldenen Mittelweg könnte die Lösung liegen.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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