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Mann steht im Hochwasser

Wie das Hochwasser zustande kam

Die Auswirkungen des Juni-Hochwassers in Österreich waren verheerend. Die Ursachen dafür lagen nicht nur in außerordentlich hohen Regenmengen, sondern auch in der Überlagerung von zwei Niederschlagsspitzen. Auf seinem Weg donauabwärts nahm das Hochwasser so weniger stark ab als im Hochwasserjahr 2002.

Hydrologie 19.06.2013

Zu diesem Schluss kommt Günter Blöschl vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der Technischen Universität (TU) Wien in einer ersten wissenschaftlichen - noch nicht publizierten - Analyse der Daten des Ereignisses.

2002 lagen Spitzen weiter auseinander

Die wissenschaftlichen Daten:

"Juni 2013 - Wieder eine Jahrhunderthochwasser?" von Günter Blöschl und Kollegen auf der Website der TU Wien

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Die Niederschläge im Zeitraum vom 29. Mai bis 4. Juni erreichten Werte von bis zu 300 Millimeter, wobei die höchsten Werte am österreichischen Alpennordrand bzw. an der Grenze zu Bayern auftraten. Beim Hochwasser 2002 hat es laut den Wissenschaftlern dagegen im Mühlviertel und Waldviertel am stärksten geregnet.

Ähnlich wie 2002 wies die Niederschlagsverteilung auch 2013 zwei Spitzen auf. Während vor elf Jahren zwischen diesen Spitzenwerten allerdings einige Tage lagen, wurden heuer die beiden Spitzen sehr knapp nacheinander gemessen, was die Hochwassersituation verschärfte.

Schnee verhinderte noch Schlimmeres

Weil die Nullgradgrenze zu dieser Zeit relativ tief lag, fiel in den Alpen ein beträchtlicher Anteil des Niederschlags in Form von Schnee, "sonst wäre das Hochwasser wohl noch heftiger ausgefallen", schreibt Blöschl. Im österreichischen Alpengebiet wurde der Regen ungefähr zur Hälfte vom Boden aufgenommen, die andere Hälfte floss ab und führte zum Hochwasser.

Konkret gab es etwa im Einzugsgebiet der Saalach bei Weißbach (Salzburg) 120 Millimeter Regen, aber nur 75 Millimeter davon flossen ab. An der Donau in Bayern hätten dagegen sandigere Böden zwischen 80 und 90 Prozent des Regens aufnehmen können.

Inn- und Donau-Fluten überlagerten sich

Neben Niederschlagsmenge und Aufnahmefähigkeit der Böden spielt auch das zeitliche Zusammenspiel der Hochwasserstände der verschiedenen Flüsse eine große Rolle: "Normalerweise führt zuerst der Inn Hochwasser, erst viel später folgt die bayrische Donau. Beim Hochwasser 2013 war der zeitliche Unterschied aber kleiner als bei anderen Ereignissen und die beiden Wellen überlagerten sich. Dadurch gab es in Passau das größte Hochwasser seit 1501", so Blöschl. Auch für die Donau in Österreich habe die Überlagerung einen extrem großen Hochwasserabfluss bedeutet.

Gelungener Schutz führt flussabwärts zu mehr Wasser

Wenn ein Hochwasser flussabwärts wandert, geht üblicherweise der maximale Durchfluss stetig zurück, sofern nicht große seitliche Zuflüsse auftreten. Dieser Rückgang war 2013 - ebenfalls wegen der knappen Abfolge der beiden Niederschlagsmaxima - weniger ausgeprägt als 2002.

Ein weiter Grund dafür sei, dass es schon flussaufwärts nur in geringerem Maß zu Ausuferungen gekommen sei, weil der Hochwasserschutz besser funktioniert habe als 2002. "Wenn das Wasser flussaufwärts nicht über die Ufer tritt, bedeutet das natürlich flussabwärts höhere Maximalwasserstände“, so Blöschl.

Lob für Politik

Den Entscheidungsträgern in Österreich attestieren die Wissenschaftler in der Aussendung gute Arbeit: "Insgesamt hat man sich klug verhalten", sagte Blöschl. Einerseits seien seit 2002 wichtige bauliche Maßnahmen gesetzt und etwa Dämme erneuert worden. Andererseits habe man sich durch sehr gute Prognosen rechtzeitig um mobilen Hochwasserschutz kümmern und Evakuierungen veranlassen können.

Als wirksamsten Hochwasserschutz nennt Blöschl die Bereitstellung großer Retentionsflächen, auf denen das Wasser mehrere Meter ansteigen kann. In dicht besiedelten Gebieten sei es allerdings schwierig, solche Flächen zur Verfügung zu stellen.

Um das Hochwasser 2013 vollständig unterzubringen, wäre ein Volumen von rund zehn Milliarden Kubikmeter erforderlich gewesen. Auf einer Fläche von 100 Quadratkilometer würde dieses Wasservolumen einem Wasserstand von 100 Metern entsprechen.

science.ORF.at/APA

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