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Verschiedenfärbige Plastiklöffel liegen nebeneinander, jedes mit ein wenig Joghurt gefüllt

Der Geschmack des Bestecks

Löffel, Gabel und Messer sind keine neutralen Werkzeuge, mit denen wir essen. Sie bestimmen auch unser Geschmackserlebnis, wie eine aktuelle Studie zeigt. So schmeckt Joghurt mit einem leichten Plastiklöffel gegessen besser als mit einem schweren und Käse von einem Messer salziger als von einer Gabel. Auch die Farbe des Bestecks ist wichtig.

Ernährung 26.06.2013

Wir essen nicht nur mit unserem Mund und Gaumen, sondern auch mit den Augen und Händen: Farbe, Aussehen und Gewicht des Bestecks beeinflussen daher unsere Nahrungsaufnahme, berichten Vanessa Harrar und Charles Spence von der Universität Oxford.

Die Studie

"The taste of cutlery: how the taste of food is affected by the weight, size, shape, and colour of the cutlery used to eat it" von Vanessa Harrar und Charles Spence ist am 26.6.2013 im Fachjournal "Flavour" erschienen.

Leichter Löffel, festeres Joghurt

Wie Geschirr und Besteck zum konkreten Geschmackseindruck beitragen, ist unklar. Eine Erklärung besteht darin, dass Gefühle, die man aus anderen Bereichen kennt, auf das Essen übertragen werden: Wenn etwa eine Farbe generell positive Emotionen hervorruft, dann tut sie das auch beim Essen. Eine andere Erklärung setzt mehr auf die konkreten Erfahrungen, die man gemacht hat: Die Farbe Rot etwa ist Kennzeichen einer reifen Frucht und könnte deshalb auch in anderen Zusammenhängen bevorzugt werden - jedenfalls wird dadurch eine entsprechende Erwartung aufgebaut.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtet auch Wissen Aktuell am 26.6. um 13:55.

Um zu überprüfen, wie "Hard- und Software des Essens" zusammenhängen, haben Harrar und Spence nun drei Tests mit Versuchspersonen durchgeführt. Im ersten mussten die britischen Collegestudenten und -studentinnen mit verschieden schweren Tee- bzw. Suppenlöffeln aus Plastik Joghurt essen. Die Löffel sahen äußerlich gleich aus, die Hälfte war aber mit verborgenen Gewichten beschwert (drei bzw. sieben Gramm). Mit den leichteren Löffeln gegessen erschien den Probanden das (immer gleiche) Joghurt als fester und besser als mit den schwereren. Auch schätzten sie es im Schnitt als teurer ein.

Enttäuschte Erwartung

Das spreche gegen die Erklärung, wonach Gefühle aus anderen Bereichen übertragen werden, schließen die Forscher: Ihre eigenen Resultate stehen im Widerspruch zu älteren Studien, die gezeigt haben, dass schweres Geschirr auch Essen "schwerer" macht. Offenbar hängen ihre entgegengesetzten Ergebnisse - leichte Löffel lassen Joghurt fester erscheinen - mit einer Erwartungshaltung zusammen. Von Plastiklöffeln weiß man, dass sie leicht sind. Wird diese Erwartung enttäuscht, und die Löffel entpuppen sich als relativ schwer, entsteht eine kognitive Dissonanz - und das wirkt sich negativ auf die Bewertung des Joghurts aus.

Im zweiten Teil standen Farben im Mittelpunkt: Die Studienteilnehmer aßen mit roten, grünen, blauen, weißen und schwarzen Plastiklöffel naturfarben weißes bzw. eingefärbtes rosa Joghurt. Dabei zeigte es sich, dass die Farben für den Geschmack keine absolute Rolle spielen, sondern der Kontrast. So wurde weißes Joghurt von einem weißen Löffel gegessen als süßer, wohlschmeckender und teurer empfunden als das pinkfarbene. Bei schwarzen Löffeln war das Gegenteil der Fall.

Messer macht salziger

Beim dritten Experiment ging es um die Art des Bestecks: Die Teilnehmer bekamen frischen bzw. gereiften Cheddar-Käse zu essen, und zwar mit Hilfe einer Gabel, eines Löffels, eines Messers bzw. eines Zahnstochers. Wichtig dabei war der Grad, wie erfahren sie bereits im Umgang mit Käse waren: Je mehr sie bereits den reiferen Cheddar gewohnt waren, desto eher mochten sie ihn auch bei der Untersuchung. Bei der "Salzigkeit" zeigte sich aber auch ein Einfluss des Bestecks. Mit einem Messer zum Mund geführt schien den Probanden der Käse deutlich salziger als mit den anderen Werkzeugen - am wenigsten salzig mit dem Zahnstocher.

"Schon kleine Änderungen beim Geschirr und Besteck beeinflussen uns darin, wie uns Essen schmeckt oder wie satt wir davon werden", fasst Harrar ihre Studie zusammen. "Wenn wir eine Speise essen, sollten wir daran denken, dass ihre Farbe auch vom Hintergrund abhängt, auf dem sie serviert wird, und deshalb anders schmeckt", sagt sie in einer Aussendung. Und das könne nicht zuletzt bei Diäten eine Rolle spielen.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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