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Mann legt Arm um die Schultern seiner Frau

Im Alter kommt die Einsicht

Das Altpapier türmt sich in der Ecke, die Schwiegermutter kommt überraschend zu Besuch, beim nächsten Urlaub stehen Bade- oder Wanderurlaub zur Entscheidung: Situationen, die bei Paaren zu Konflikten führen können. Mit zunehmendem Alter versuchen Partner diese zu vermeiden, sagt eine neue Studie.

Psychologie 02.07.2013

13 Jahre lang hat die Psychologin Sarah Holley von der San Francisco State University und ihr Team 127 verheiratete Paare untersucht, die ursprünglich zwischen 40 und 70 Jahre alt waren. Die Forscher wollten herausfinden, ob sich die Art und Weise, Konflikten zu begegnen, im Laufe der Jahre verändert.

Die Studie:

"Age-Related Changes in Demand - Withdraw Communication Behaviors" von Sarah Holley und Kollegen ist am 1.7.2013 im "Journal of Marriage and Family" erschienen (pdf-Version der Studie).

Tatsächlich ergab die Studie, dass dies der Fall ist. In Situationen, in denen Unstimmigkeiten aufkamen, reagierten ältere Paare damit, das Thema zu wechseln oder die Aufmerksamkeit vom Konflikt zu ziehen.

Dieses Verhalten zeigte sich unabhängig davon, ob die Ehepartner anfangs eher die Rolle der "Veränderer" und "Kritiker" in der Beziehung oder der "Konfliktvermeider" innehatten. Und das wiederum hat nichts mit dem Stereotyp der "nörgelnden Ehefrau" und des "phlegmatischen Ehemannes" zu tun, berichten die Forscherinnen. Denn die Kommunikationsform gebe es bei heterosexuellen Paaren in allen Kombinationen und auch bei homosexuellen Paaren.

Milder und nachsichtiger

Nun ist Konfliktvermeidung im Allgemeinen nicht geeignet, Probleme zwischen den Partnern zu lösen. Darüber hinaus kann es eine Partnerschaft belasten, wenn Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen nicht mitgeteilt werden. Gerade ältere Paare, so meinen die Forscher, hätten dadurch aber die Chance, ihre Gespräche aus dem "giftigen Bereich" zu führen und somit nicht ewig in alten Fronten zu verhärten.

Das Alter scheint uns also milder und nachsichtiger werden zu lassen. Woran genau das liegen könnte, erklärt sich Holley mit der allgemein altersbedingten Veränderung sozialer und emotionaler Ziele. Wir streben mit den Jahren generell mehr nach positiven Erfahrungen. Vielleicht aus dem Gefühl heraus, das Beste aus den verbleibenden Jahren herauszuholen.

Holley zufolge spielen sowohl Alter als auch Dauer der Ehe eine Rolle für die spätere Entwicklung zur Konfliktvermeidung. Um diese Komponenten und ihren Einfluss auf unser Kommunikationsverhalten in Ehen aber genau zu untersuchen, möchte sie demnächst ältere langverheiratete Paare und neuverheiratete im fortgeschrittenen Alter vergleichen.

science.ORF.at

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