Standort: science.ORF.at / Meldung: "Spitzmäuse beweisen starkes Rückgrat"

Das Gesicht einer Panzerspitzmaus

Spitzmäuse beweisen starkes Rückgrat

Die Panzerspitzmaus trägt ihren Namen nicht zu Unrecht. Dank einer besonderen Anatomie seiner Wirbelsäule ist das in Afrika lebende Säugetier überaus belastbar - und hält es sogar aus, dass ein ausgewachsener Mensch auf ihm steht. US-Forscher haben nun eine neue Art der Tiere entdeckt, die zeigt, wie es zu dieser Robustheit kommt.

Zoologie 24.07.2013

Die Studie:

"A new hero emerges: another exceptional mammalian spine and its potential adaptive significance" von William Stanley und Kollegen ist am 19. Juni 2013 in den "Biological Letters" der Royal Society erschienen.

70 Kilo ausgehalten - bei 70 Gramm Körpergewicht

Das kleine Säugetier Scutisorex somereni mit den faszinierenden Eigenschaften wurde erstmals 1910 in Äquatorialafrika entdeckt. Sieben Jahre dauerte es, bis der Zoologe Joel Asaph Allen hinter das eigentliche Geheimnis der Insektenfresser kam. Als einziges bekanntes Säugetier sind diese mit einer besonders massiven Wirbelsäule ausgestattet. Sie erlaubt ihnen, Dinge auf ihren Rücken auszuhalten, die mehr als das Tausendfache ihres Körpergewichts betragen.

So berichtet Allen in seinen Aufzeichnungen von einem Fall, als sich ein erwachsener Mann mit rund 70 Kilogramm für einige Minuten auf den Rücken einer Panzerspitzmaus stellte. Die Forscher konnten es damals kaum glauben, als das 50 bis 70 Gramm leichte Tier anschließend unversehrt davonspazierte.

Der englische Name der Spitzmausart - "Hero Shrew" - kommt also nicht von ungefähr. In Kongo und Zentralafrika werden sie sogar als Talisman verwendet. Die dort lebende Ethnie der Mangbetu glaubt, dass man unbesiegbar wird, wenn man ein Stück Fell, Schwanz oder eines anderen Körperteils des Tiers bei sich trägt.

Neue Art entdeckt

Auch in der Evolutionsbiologie üben die Spitzmäuse mit den "Superkräften" eine große Faszination aus und geben bis heute viele Rätsel auf. Im Laufe der Jahre haben Forscher mehrere Theorien darüber aufgestellt, was der Nutzen dieses robusten Rumpfes sei, jedoch dabei keine hieb- und stichfeste Erklärung gefunden.

Nun haben der Biologe William Stanley vom Field Museum of Natural History in Chicago und seine Kollegen in der Demokratischen Republik Kongo eine neue Art dieser Spitzmaus (Scutisorex thori) entdeckt. Obwohl sich die beiden Tiere der Scutisorex-Gattung in vielen Details wie Schädelgröße oder Schwanzlänge unterscheiden, so haben sie doch das entscheidende Merkmal gemein: ihre massive Wirbelsäule.

Seitenansicht einer Panzerspitzmaus

William Stanley et al.

Seitenansicht einer Panzerspitzmaus

Die Wirbelsäule besteht aus vielen komplex miteinander verzahnten, seitlich wie auch bauchseitig ausgeprägten Wirbelfortsätzen, die durch Gelenke mit den vorderen und hinteren Wirbeln verbunden sind. Das gesamte axiale Skelett, wo neben der Wirbelsäule auch das Kreuzbein, das Brustbein und natürlich die Rippen dazugehören, ist im Vergleich zu anderen Säugetieren um vieles massiver. Auch die angrenzende Muskulatur ist dem starken Körperaufbau angepasst.

Wirbelsäule hilft bei Nahrungssuche

Die Forscher haben nun festgestellt, dass diese Körperstruktur ein ausgesprochen flexibles System ist, weshalb die "Hero Shrews" schwere Gewichte, Druck und Verbiegungen auch in eingekrümmtem Zustand aushalten können. In Anbetracht dessen, dass der Rumpf der Scutisorex derart robust ist, so ist es wiederum erstaunlich, dass die Gliedmaßen aber nicht gleich stark entwickelt sind und sich nicht von jenen normaler Kleinsäugetiere unterscheiden.

Bleibt zuletzt noch die Frage zu klären, weshalb die Natur diese Säugetiere mit derartigen Fähigkeiten ausgestattet hat. Stanley und seine Kollegen vermuten, dass die Insektenfresser damit besser Nahrung aufstöbern können. Mit ihrem beweglichen und zugleich robusten Rumpf sind sie imstande, schwere Gegenstände, wie Steine und Baumstämme aufzuheben, um somit Zugang zu versteckten und für andere Tiere unerreichbaren Würmern und Raupen zu erhalten.

Ruth Hutsteiner, science.ORF.at

Mehr zum Thema: