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Ein Bluttropfen auf einem Finger

Blut zeigt frühe Anzeichen von Alzheimer

Alzheimer ist weltweit die häufigste Form von Demenz, allein in Europa sind 7,3 Millionen Menschen davon betroffen - Tendenz stark steigend. Deutsche Forscher berichten nun von einem Bluttest, mit dessen Hilfe die Krankheit bereits im Frühstadium erkannt werden könnte.

Medizin 29.07.2013

Von der Früherkennung erhoffen sich die Forscher, mit der Behandlung der neurodegenerativen Erkrankung starten zu können, noch bevor Teile des Gehirns zerstört sind.

Die Studie:

"A blood based 12-miRNA signature of Alzheimer disease patients" ist am 29. Juli 2013 im Journal "Genome Biology" erschienen.

Frühere Diagnose

Bisher müssen Ärzte und Patienten auf eindeutige Gehirnbilder und Ergebnisse von Gedächtnistests warten, bis die Diagnose Morbus Alzheimer eindeutig erstellt werden kann. Ein Medizinerteam von der Universität Saarland setzte für ihren Test nun auf die Spuren, die die Krankheit im Blut hinterlässt - Biomarker. Konkret konzentrierten sich die Forscher auf Mikro-Ribonukleinsäuren (Mikro-RNA), von denen es mehr als 1.400 verschiedene im Blut des Menschen gibt.

Die Werte dieser Moleküle ergeben ein bestimmtes Profil, weicht das Profil von einzelnen Säuren von der Norm ab, kann das ein Hinweis auf eine bestimmte Erkrankung sein. Nachgewiesen wurde die Aussagekraft der Mikro-RNA bereits für 14 teils schwer erkennbare Krankheiten wie verschiedene Krebsarten und Parkinson.

Gutes Ergebnis

Ö1 Sendungshinweis:

Über den Test berichtet auch "Wissen Aktuell" am 30. Juli 2013 um 13.55 Uhr.

Die Forscher um Petra Leidinger vom Institut für Humangenetik des Uniklinikums Saarland untersuchten nun, ob auch Morbus Alzheimer eine spezielle Signatur auf Mikro-RNA-Ebene aufweist. Dazu werteten sie Blutproben von 100 Alzheimer-Patienten aus. Es zeigte sich, dass insgesamt zwölf Mikro-RNAs eine andere Zusammensetzung aufwiesen als bei gesunden Menschen. Der Test lieferte ein zu 90 Prozent richtiges Ergebnis - laut Wissenschaftlern ein gutes Ergebnis für einen Biomarker.

Obwohl Menschen mit anderen neurologischen Erkrankungen wie Schizophrenie und Depression ähnliche Symptome wie Alzheimer-Patienten aufweisen, gelang es den Medizinern, die Krankheiten auf molekularer Ebene zu unterscheiden. Einzig bei der Abgrenzung zu anderen neurodegenerativen Leiden wie beispielsweise Parkinson waren die Testergebnisse nicht so genau, weshalb die Forscher an einer Verfeinerung der Molekülsignatur arbeiten wollen.

Auch wenn es bis zur Anwendung in klinischen Tests noch dauert, sehen Fachkollegen in der nun vorgelegten Studie einen Fortschritt: Denn Mikro-RNAs könnten nicht nur Hinweise auf die Existenz der Krankheit geben, sondern möglicherweise auch Neues über ihre Entstehung verraten.

science.ORF.at

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