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Neuron im Nervennetzwerk

Wie Prionen infektiös werden

Lange haben Forscher gerätselt, wie Prionen bei Erkrankungen wie BSE Hirnzellen abtöten. Diese Proteine lösen in einer verklumpten Form verheerende Hirnkrankheiten wie Rinderwahnsinn und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aus. Laut Schweizer Forschern löst nur ihr flexible "Schweif" toxische Wirkung aus.

Neuropathologie 01.08.2013

Dies hat laut den Forschern um Adriano Aguzzi, Neuropathologe an der Universität und am Unispital Zürich, weitreichende Konsequenzen für die Bekämpfung von Prionen-Erkrankungen. Denn nur jene Antikörper würden sich als potenzielle Medikamente eignen, die sich gegen den "Schweif" der Prionen richten. Antikörper, die am anderen Ende ansetzen, könnten hingegen tödlich sein.

"Schweif" verursacht Zelltötung

Die Studie in "Nature":

"The toxicity of antiprion antibodies is mediated by the flexible tail of the prion protein" von Tiziana Sonati et al., erschienen am 1. August 2013.

Das natürliche Prionen-Protein ist harmlos und kommt bei vielen Organismen vor - beim Menschen in der Membran von Hirnzellen. Obwohl die Prionen-Struktur seit 1996 bekannt ist - entschlüsselt vom Nobelpreisträger Kurt Wüthrich - ist noch weitgehend unklar, was die einzelnen Regionen tun.

Doch wenn diese Eiweiße sich verformen und verklumpen, entstehen infektiöse Prionen, die Hirnzellen töten. Nun haben die Forscher um Aguzzi entdeckt, wie sie das tun: Einerseits weisen sie einen "Schalter" auf, der die Toxizität steuert. Andererseits legen die Resultate nahe, dass das Prionen-Protein in zwei funktionale Teile unterteilt ist: Eine Domäne, die in der Zellmembran verankert ist, sowie einen langen, unstrukturierten "Schweif". Bei einer Prionen-Infektion interagiert das krankhafte Protein mit dem einem Teil des gesunden Prions, der Fortsatz verursacht die Zelltötung - so die Hypothese der Forscher.

Aguzzi und sein Team prüften diese Idee, indem sie in Gewebeschnitten aus Mäusegehirnen bestimmte Antikörper züchteten, die Hirnzellen ähnlich schädigten wie eine Prion-Infektion. Tatsächlich dockten diese Antikörper an den Schalter des Prion-Proteins an. Dieses zerstörte aber nur Hirnzellen, wenn sein "Schweif" intakt war.

science.ORF.at/APA/sda

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