Standort: science.ORF.at / Meldung: "Künstliches Herzgewebe beginnt zu pochen"

Menschliche Zellen der glatten Muskulatur

Künstliches Herzgewebe beginnt zu pochen

US-Forscher haben aus Stammzellen menschliches Herzgewebe gezüchtet, das sich wie ein funktionierendes Organ zusammenzieht. Dadurch könnte künftig bei einem Infarkt beschädigtes Herzgewebe ersetzt werden.

Biotechnologie 14.08.2013

Langfristig sei auch die Herstellung eines ganzen Organs denkbar, schreiben die Autoren in der Fachzeitschrift "Nature Communications".

40 bis 50 Schläge pro Minute

Die Studie

"Repopulation of decellularized mouse heart with human induced pluripotent stem cell-derived cardiovascular progenitor cells", Nature Communications (13.8.2013; 10.1038/ncomms3307).

Video

Kontraktion des künsltichen Herzgewebes

Video abspielen

Die Forscher der Universität Pittsburgh verwendeten zunächst aus menschlichen Hautzellen gewonnene sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen), um daraus Vorgänger von Herzzellen zu züchten.

Diese Vorläuferzellen ("multipotential cardiovascular progenitors", kurz MCPs) wurden dann in das Gerüst eines Mäuseherzens eingepflanzt - Protein- und Kohlenhydratgewebe, aus dem die Herzzellen der Maus entfernt worden waren. Die MCPs entwickelten sich dort zu einem Herzmuskel. Nach 20 Tagen Blutversorgung begann der Muskel, "sich mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 Schlägen pro Minute zusammenzuziehen".

Noch seien sie "weit davon entfernt, ein ganzes menschliches Herz" zu erschaffen, räumte Studienleiter Lei Yang ein. Unter anderem müssten Wege gefunden werden, dass sich das Herzgewebe so stark zusammenzieht, dass es auch wirklich Blut durch den Körper pumpen kann. "Wir bieten aber eine neue Ressource für Zellen - aus iPS-Zellen gewonnene MCPs - für die künftige Erschaffung von Herzgewebe."

Auch Lebergewebe hergestellt

Ö1-Sendungshinweis

Über diese Studie berichtet auch "Wissen aktuell", 14.8.2013, 13:55 Uhr.

Die iPS-Zellen müssen anders als natürliche Stammzellen nicht aus dem menschlichen Embryo gewonnen werden, der bei einer Entnahme von Stammzellen zerstört wird. Vielmehr werden zur Gewinnung von iPS-Zellen erwachsene Zellen so umprogrammiert, dass sie die Eigenschaft natürlicher Stammzellen aufweisen und sich in jeden Zelltyp entwickeln zu können.

Anfang Juli hatten japanische Forscher berichtet, aus solchen iPS-Zellen erstmals Gewebe einer menschlichen Leber gezüchtet zu haben. Das Züchten von menschlichem Organgewebe aus Stammzellen gilt angesichts des Mangels an Spenderorganen als wegweisend für die Zukunft der Transplantationsmedizin. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr weltweit rund 17 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die meisten von ihnen an Herzleiden.

science.ORF.at/APA/AFP

Mehr zu diesem Thema: