Standort: science.ORF.at / Meldung: "Schon Ungeborene lernen mit Hörtraining"

Die Gehirnaktivität eines Neugeborenen wird aufgezeichnet.

Schon Ungeborene lernen mit Hörtraining

Ob Sprache, Musik oder Lärm: Babys nehmen ihr Umfeld im Bauch der Mutter hörend wahr. Wie eine Studie zeigt, lassen sich in diesem Stadium durch Audio-Training Grundlagen für das spätere Lernen legen.

25.000 Mal "tatata" 27.08.2013

Finnische Forscher untersuchten die Gehirnaktivität von Säuglingen, deren Mütter während der Schwangerschaft regelmäßig ein Sprachtraining auf CD gehört hatten. Laut Studie erinnern sich die Kinder an häufig gehörte Laute aus der Zeit vor der Geburt.

Die Studie:

"Learning-induced neural plasticity of speech processing before birth" ist am 27. August 2013 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen (doi: 10.1073/pnas.1302159110).

Fast täglich "tatata"

Die Wissenschaftler begleiteten rund 30 Frauen von der 29. Schwangerschaftswoche an. Der Hälfte der Gruppe gaben sie vor, bis zur Geburt an fünf Tagen pro Woche Aufnahmen des Wortes "tatata" anzuhören - 15 Minuten lang und möglichst zur gleichen Tageszeit.

"Die Frauen führten dann darüber Buch, wie oft und wo sie die CD gehört haben" erläuterte Studienautor Eino Partanen von der Universität Helsinki. Vereinzelt waren auf der CD auch Abwandlungen des Wortes enthalten, etwa andere Tonhöhen oder abweichende Vokale. Im Durchschnitt hörten die Säuglinge die Lautfolge "tatata" vor ihrer Geburt rund 25.000 Mal. Die zweite Gruppe erhielt kein Lernmaterial.

Reaktionen auf Hörtraining

Die Gehirnaktivität eines Neugeborenen wird aufgezeichnet.

Veikko Somerpuro, University of Helsinki

Die Gehirnaktivität eines Neugeborenen wird aufgezeichnet.

Nach der Geburt verglichen die Forscher die Reaktionen von Kindern beider Gruppen auf die Worte von der Trainings-CD sowie auf das Hören neuer Varianten. Dabei überwachten sie deren Gehirnaktivität: Ein Anstieg zeugt von einem besser entwickelten Nervensystem.

Bei neuen Wortvarianten war dies vor allem bei jenen Kindern der Fall, die bereits als Ungeborene mit der CD und damit auch mit Abwandlungen konfrontiert worden waren. Stark reagierten auch Kinder, deren Mütter das Training besonders häufig gehört hatten.

Schaden durch Lärm

Den Autoren zufolge legen die Ergebnisse nahe, dass Kinder leichter sprechen lernen, wenn sie vor der Geburt systematisch mit Sprache konfrontiert werden. Das Nervensystem werde so auf akustische Feinheiten vorbereitet.

Durch auditives Training bei Föten könne sich möglicherweise auch Sprachfehlern und Lese-Rechtschreib-Schwäche vorbeugen lassen. Gleichzeitig warnen die Forscher vor dem schädlichen Einfluss von Lärm auf das Nervensystem von Ungeborenen.

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zum Thema: