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Eine alte Frau geht am Stock.

Warum das Gedächtnis im Alter schwindet

Wissenschaftler um Nobelpreisträger Eric Kandel haben eine wichtige Ursache für Gedächtnisschwund im Alter entdeckt. Verantwortlich ist offenbar ein Eiweißstoff im Gehirn - Senioren besitzen laut einer Studie deutlich weniger davon.

Gehirn 29.08.2013

Die Forscher untersuchten die Gehirne von acht 33- bis 88-jährigen, die ihre Körper posthum der Forschung zur Verfügung gestellt hatten. Sie fanden heraus, dass in einer für das Gedächtnis wichtigen Region (dem sogenannten Gyrus dentatus im Hippocampus) das Gen namens RbAp48 bei alten Menschen weniger oft abgelesen wird.

Dementsprechend besaßen die Senioren in dieser Gehirnwindung fast um die Hälfte weniger von dem zugehörigen Protein als junge Leute.

"Können Gedächtnisverlust rückgängig machen"

Die Studie

"Molecular Mechanism for Age-Related Memory Loss: The Histone-Binding Protein RbAp48", Science Translational Medicine (28.8.2013;doi: 10.1126/scitranslmed.3006373).

Von RbAp48 war bereits bekannt, dass es in Gehirnzellen das Ablesen von anderen Genen erleichtert, indem es die sehr kompakte Struktur der DNA auflockert. Um herauszufinden, ob der Eiweißstoff tatsächlich für die Merkfähigkeit eine Rolle spielt, manipulierten die Forscher RbAp48 in den Gehirnen von alten und jungen Mäusen. Unterdrückten sie seine Aktivität bei jungen Tieren, schnitten diese bei Merktests ähnlich schwach ab wie alte Mäuse.

Der Effekt war aber nicht dauerhaft: Wenn die Forscher die Hemmung von RbAp48 stoppten, kehrte die gute Merkfähigkeit der jungen Mäuse wieder zurück. Im Gegensatz zur Alzheimer-Krankheit (bei der eine andere Region im Hippocampus betroffen ist) werden die Nervenzellen bei der altersbedingten Vergesslichkeit offensichtlich nicht permanent geschädigt, schreiben sie.

Verabreichten die Forscher dem Gyrus dentatus von alten, vergesslichen Mäusen zusätzliches RbAp48, so konnten diese es bei den Merktests mit jungen Tieren aufnehmen. "Die Tatsache, dass wir altersbedingten Gedächtnisverlust bei Mäusen rückgängig machen konnten, ist sehr ermutigend", erklärte Kandel in einer Aussendung der Columbia Universität. Nun habe man ein molekulares Ziel gefunden und die passenden Mäuse, um nach Therapiemöglichkeiten für Menschen zu suchen, so die Forscher. Das könnten neben Medikamenten und Nahrungszusätzen auch körperliche und geistige Übungen sein.

science.ORF.at/APA

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