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Reifes Getreide vor dunklem Himmel

Klimawandel begünstigt Pflanzenschädlinge

Weltweit gehen jährlich zwischen zehn und 16 Prozent der Getreideernte durch Schädlinge verloren. Laut einer neuen Studie vergrößert die Klimaerwärmung das Gebiet, in dem diese Schaden anrichten: Pro Jahr verbreitet es sich weltweit durchschnittlich um drei Kilometer nach Norden und Süden.

Landwirtschaft 02.09.2013

Schädlinge können auf verschiedene Weisen neue Gebiete befallen, etwa wenn sie direkt durch den Menschen dorthin gebracht werden (z. B. bei Getreidetransporten). Laut der Studie der Universitäten von Exeter und Oxford sind wir aber auch indirekt an ihrer Verbreitung beteiligt. "Die überzeugendste Hypothese ist, dass die globale Erwärmung die Ursache für das Wandern der Schädlinge ist", sagt der Studienautor und Biologe Dan Bebber in einem Interview mit der BBC.

Die Studie:

"Crop pests and pathogens move polewards in a warming world" von Daniel P. Bebber und Kollegen ist am 1.9. in "Nature Climate Change" erschienen.

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Beispiel Bergkiefernkäfer

Auswirkungen der Klimaerwärmung auf Getreideernten sind für Biologen und Klimaforscher keine Neuigkeit, die Folgen für Schädlinge und Krankheitserreger wurden bisher dagegen weniger untersucht. Durch die Erderwärmung wandeln sich die Lebensbedingungen für zahlreiche Arten. Wärmere Temperaturen sind vor allem für Insekten von Vorteil - weil das Risiko sinkt, in Gebirgen oder nördlichen Gebieten zu erfrieren.

So hat sich zum Beispiel der Bergkiefernkäfer (Mountain Pine Beetle) in den vergangenen zehn Jahren in den westlichen US-Bundesstaaten und in kanadischen Provinzen wie British Columbia rapide verbreitet. Der Befall mit Bergkiefernkäfern hat sich nicht nur ausgeweitet, die Schädlinge stießen auch in die Höhenlagen von Gebirgen vor.

870 Millionen Menschen hungern

Schon die aktuelle Menge an Schädlingen und Krankheitserregern sorgt für Ernteeinbußen, mit denen laut der Studie pro Jahr zusätzliche 8,5 Prozent der Weltbevölkerung ernährt werden könnten.

Eine weitere Verbreitung der Schädlinge und Krankheitserreger sollte deshalb vermieden werden, vor allem weil laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mindestens 870 Millionen Menschen - also rund 12,4 Prozent der Weltbevölkerung - an Hunger leiden.

Gäbe es keine Ernteeinbußen durch Schädlinge, rechnen die Forscher vor, wäre für rund zwei Drittel der hungernden Menschen ausreichend Nahrung vorhanden.

science.ORF.at

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