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Ein Baby lächelt

Babys "verstehen" auch die Affensprache

Babys lernen schon in den ersten Monaten, dass Äußerungen ihrer Bezugspersonen mit Objekten verknüpft sind. US-Forscher berichten nun von einer bemerkenswerten Grenzüberschreitung: Laut Studie reagieren Kinder in den ersten Lebensmonaten nicht nur auf menschliche Sprache, sondern auch auf Affenlaute.

Psychologie 03.09.2013

Erst im Alter von einem halben Jahr zeigen sich die Kleinkinder nur noch an der menschlichen Sprache interessiert und ignorieren Töne der tierischen Verwandten, schreiben Alissa Ferry und Kollegen von der Northwestern University in Illinois.

Die Studie:

"Nonhuman primate vocalizations support categorization in very young human infants" erscheint zwischen 2. und 7. September 2013 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (DOI: 10.1073/pnas.1221166110).

Laute und Objekte

Eine Sprache zu lernen, bedeutet - ganz einfach ausgedrückt - eine zu Beginn sinnlose Aneinanderreihung von Buchstaben mit Bedeutung zu versehen, um mit den solcherart gelernten Einheiten kommunizieren zu können. Genau diesen Prozess durchlaufen auch Kinder, wenn sie sich ihre Muttersprache aneignen. Sie müssen erkennen, welche Tonfolgen von ihrer Umgebung verwendet werden und was damit gemeint ist.

Dass Kinder sehr früh - teilweise schon vor der Geburt - mit dem Erlernen ihrer Sprache beginnen, war schon aus bisherigen Studien bekannt. Die Neurowissenschaftler um Alissa Ferry wollten aber wissen, ob Babys von Beginn an ein Gehör für exklusiv die menschliche Sprache haben oder auch anhand anderer Tonfolgen eine Beziehung zu einem Objekt herstellen können. Sie bauten dazu auf einer älteren Studie auf, bei der drei Monate alten Kindern Bilder von Dinosauriern gezeigt wurden. Einmal wurden sie von einer menschlichen Stimme begleitet und einmal von einer in Frequenz, Geschwindigkeit und Abfolge angeglichenen, letztlich aber sinnlosen Sinustonfolge.

Es zeigte sich, dass die Kinder aufgrund der menschlichen Stimme auf die Dinosaurier sahen, nicht aber beim Anhören der Tonfolge. Offensichtlich war also das Objekt Dinosaurier im Kopf der Babys in enger Verknüpfung mit der menschlichen Stimme abgespeichert worden.

Stimme von Lemuren

Die Forscher erweiterten den Versuch nun um ein weiteres Element: die Stimme von Primaten, konkret von den auf Madagaskar lebenden Lemuren. 36 Kleinkinder, jeweils zwölf im Alter von drei, vier und sechs Monaten, nahmen am Test teil. Ihnen wurden wiederum Dinosaurierbilder gezeigt, dieses Mal begleitet von Affenlauten. Offensichtlich akzeptierten die Kinder die tierischen Laute in ebenso großem Ausmaß als Bezeichnung für die Dinosaurier, wie sie es im Fall der menschlichen Sprache getan hatten.

Dass Kinder aber nicht jede komplexe Tonfolge als Objektbezeichnung hinnehmen, zeigte sich auch. Alissa Ferry und Kollegen spielten einer weiteren Gruppe von 36 Babys nämlich auch menschliche Sprache, allerdings im Rückwärtsgang, vor. Das Ergebnis: Die Kinder ignorierten die Tonfolgen als in ihren Ohren offenbar sinnlos.

Kleines Zeitfenster

Das Zeitfenster ist allerdings klein, in dem Affenlaute gleichrangig mit der menschlichen Sprache wahrgenommen werden: Mit sechs Monaten reagierten die Kinder schon nur mehr auf ihre Muttersprache. Zwar kann mit der Studie nun die Frage nach der Exklusivität des menschlichen Gehörs verneint werden, gleichzeitig sprechen die Forscher aber neue Unklarheiten an: "Ist die akustische Ausgangsbasis des Menschen auf unsere engsten Verwandten unter den Tieren beschränkt oder auf andere Arten erweiterbar?" fragen Ferry und Co - und kündigen weitere Studien dazu an.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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