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Primaten im Winterschlaf

Fettschwanzmakis, eine Untergruppe der Lemuren, sind von allen Winterschläfern genetisch am nächsten mit dem Menschen verwandt. Eine neue Studie zeigt, dass ihre Schlafphasen von der Temperatur abhängen. Die Erkenntnisse könnten auch für die Humanmedizin wichtig sein.

Schlaf 06.09.2013

Die Studie:

"The Relationship of Sleep with Temperature and Metabolic Rate in a Hibernating Primate" von Andrew D. Krystal und Kollegen ist am 4.9. in "PLOS ONE" erschienen.

Die in Madagaskar heimische Lemurenart verbringt bis zu sieben Monaten pro Jahr im Winterschlaf und damit in einem fast bewegungslosen Zustand. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren bleibt die Körpertemperatur der Fettschwanzmakis während dieser Zeit nicht stabil, sondern passt sich an die Außentemperatur an.

Zusammenhänge im Schlaf

Die Studie zeigte, dass die Fettschwanzmakis bei unterschiedlichen Temperaturen auch unterschiedlich schlafen. Bei höheren Temperaturen wurde eine höhere Gehirnaktivität gemessen als bei niedrigen. Gleichzeitig mit der erhöhten Gehirnaktivität wurden bei den untersuchten Tieren Augenbewegungen wie in der REM-Phase (rapid Eye-Movement) beobachtet. REM-Phasen sind bei fast allen Säugetieren bereits dokumentiert worden, Menschen träumen meist währenddessen. Die erhöhte Gehirnaktivität der Fettschwanzmakis während der REM-Phase könnte darauf hinweisen, dass auch die untersuchten Tiere träumen.

Dass die Gehirnaktivität der Primaten sich an Temperaturen anpasst, bedeutet, dass sich wichtige Körperfunktionen im Schlaf an äußeren Bedingungen orientieren. Die Verlangsamung von Herzschlag, Atmung und Stoffwechsel, die bei Schlafenden auftritt, könnte ebenso darauf zurückzuführen sein. Um den genauen Zusammenhang zwischen Körpertemperatur, Schlaf und Metabolismus zu klären, sind weitere Untersuchungen an den Fettschwanzmakis geplant.

Die Resultate könnten auch für die Humanmedizin von Bedeutung sein. Schon jetzt wird bei Intensivpatienten das Verhältnis von Körpertemperatur und Gehirnaktivität zur Behandlung nach einem Schlaganfall oder Herzstillstand genutzt. Dabei wird die Temperatur von Patienten abgesenkt, wodurch alle Körpervorgänge verlangsamt werden. So bremst man zum Beispiel nach einem Herzstillstand den raschen Zelltod. Bei schweren Kopfverletzungen wird mithilfe der niedrigen Temperatur ein Ansteigen des Hirndrucks vermieden.

Stefanie Braunisch, science.ORF.at

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