Standort: science.ORF.at / Meldung: "Immer mehr Arsen im Grundwasser"

Vietnamesischer Bauer wässert seine Pflanzen

Immer mehr Arsen im Grundwasser

In der 6,5-Millionen-Metropole Hanoi droht das Trinkwasser vergiftet zu werden: Weil die vietnamesische Hauptstadt immer mehr Grundwasser abpumpt, strömt einer Studie zufolge arsenbelastetes Wasser näher an die Trinkwasserfassungen.

Hanoi 12.09.2013

Gemäß dem Erstautoren Alexander van Geen von der Columbia University weist die Studie erstmals nach, dass arsenfreies Grundwasser von nachströmendem arsenhaltigen Wasser kontaminiert werden kann. Zwar schreite dieser Prozess langsam voran, doch er scheint unaufhaltsam.

Hochgiftiges Halbmetall

Die Studie "Nature":

"Retardation of arsenic transport through a Pleistocene aquifer" von A.v. Geen et al., erschienen am 12. September 2013.

Das Halbmetall Arsen kommt natürlicherweise in Sedimenten vor und gelangt durch Verwitterung in geringen Mengen ins Grundwasser. Über längere Zeit eingenommen, ist es schon bei niedrigen Konzentrationen sehr giftig für den Menschen. Es kann übermäßige Hautpigmentierungen, Funktionsstörungen von Leber, Niere und Herzkreislauf sowie Krebs auslösen.

"Es ist ein riesiges, unfreiwilliges Experiment", sagte der Geochemiker Michael Berg von der Eawag in der Mitteilung. "Wir stellen die Trinkwassersysteme an vielen Orten der Welt auf den Kopf." Nicht nur in Hanoi, sondern auch in Dhaka und Peking seien ähnliche Prozesse im Gang.

Deutlich über Grenzwert

In den untersuchten Zonen um Hanoi liegen die Arsenwerte im Grundwasser schon heute 10- bis 50-mal über dem von der WHO empfohlenen Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter.

Die städtische Wasserversorgung hat die täglich gepumpte Grundwassermenge zwischen 2000 und 2010 verdoppelt - auf über 900 Millionen Liter. In der Stadt wird das Wasser aufbereitet und Arsen zum größten Teil entfernt. Das löst das Problem aber nur für jene Einwohner, die an eine Wasserleitung angeschlossen sind.

Vietnamesische Bauer bohren Loch für Brunnen

Benjamin Bostick

Hier wird ein Loch für einen Brunnen gebohrt.

In vielen Außenquartieren sei das nicht der Fall, warnen die Autoren. Dort wird - zum Beispiel entlang des Roten Flusses - aus zahllosen privaten Grundwasserbrunnen Trinkwasser gepumpt und ohne Aufbereitung in den Haushalten verwendet. Bisher hätten hohe Grundwasserspiegel dafür gesorgt, dass diese Brunnen kein arsenhaltiges Wasser enthielten.

Doch mit dem steigenden Wasserkonsum ströme zunehmend kontaminiertes Wasser von arsenbelasteten Schichten und vom Fluss in die vermeintlich sichere Grundwasserschicht. Außer in Großstädten kann dies auch in Regionen geschehen, wo für die Bewässerung sehr viel Wasser aus alten Grundwasserreserven gepumpt wird, zum Beispiel in den Sahara-nahen Zonen Afrikas oder den Trockengebieten Nordamerikas.

Konstanter Anstieg

Zumindest eine gute Nachricht kann Rolf Kipfe von der Eawag, der das Alter des Grundwassers bestimmt hat, verkünden: Während kontaminiertes Wasser in den letzten 40 bis 60 Jahren mehr als zwei Kilometer Richtung Stadtzentrum vorgestoßen ist, hat sich die Grenze der kritischen Arsenkonzentrationen erst um rund 120 Meter bewegt. Die Absorption des Gifts an Sand im Untergrund bremste die Ausbreitung.

Wo die Wasserqualität heute noch genügend ist, bleibt den Verantwortlichen also noch Zeit, das Problem anzupacken - indem die Zahl der Pumpen reduziert oder eine Wasseraufbereitung eingerichtet wird. "Doch die Arsenbelastung rückt konstant vor. Und je großflächiger sie wird, umso mehr Menschen trinken arsenhaltiges Wasser", warnte Michael Berg von der Eawag.

science.ORF.at/AP/sda

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