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Gähnendes Pferd

Überlegen durch Gebiss

Ein überlegenes Allzweckgebiss hat dem Urpferd Hippotherium vor mehreren Millionen Jahren zu einem Siegeszug durch Europa verholfen. Es hat Forschern zufolge sowohl Gras als auch Laub und Früchte fressen können und ist daher bei der Nahrungssuche flexibler gewesen als seine älteren Verwandten.

Urpferd 12.09.2013

Kleine Änderung, große Wirkung

Das Hippotherium war vor elf Millionen Jahren über die damals trockengefallene Beringstraße zwischen Alaska und Sibirien aus seiner nordamerikanischen Heimat nach Asien und Europa eingewandert und hatte das dort lebende Urpferd Anchitherium völlig verdrängt. Mit ihren neuen Erkenntnissen liefern die Forscher um Thomas Kaiser und Thomas Tütken von den Universitäten Hamburg und Bonn nun eine Erklärung für den rätselhaften Vorgang.

"Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass eine kleine Verbesserung in der Zahnfunktion in der Evolution den entscheidenden Vorteil bedeuten kann", erklärte Kaiser in einer von der Uni Hamburg herausgegebenen Mitteilung.

"Gemischte Pflanzenkost"

Die Experten analysierten unter anderem die Kratzspuren auf Hippotherium-Zähnen und die Isotopen-Konzentrationen in deren Schmelz. So belegten sie, dass die Tiere eine "gemischte Pflanzenkost" zu sich nahmen - und damit wesentlich flexibler waren als ihre Verwandten der Gattung Anchitherium, die aufgrund ihres Gebisses nur Laub fraßen. Das Hippotherium konnte sich dadurch verschiedenen Vegetations- und Klimabedingungen viel besser anpassen.

Grasfresser brauchen den Angaben zufolge spezielle Zähne, da die Halme sogenannte Phytoliten enthalten - Einlagerungen aus Kieselsäure, die den Schmelz regelrecht abschleifen. Grasfresser haben daher lange, tief im Kiefer verankerte Zähne, die sich nicht so schnell abreiben. Die Zähne von Laubfressern sind dagegen viel flacher und deshalb nicht für Graskost geeignet.

Bisher war nur bekannt, dass das Hippotherium das "hochkronige Gebiss" eines Grasfressers hatte. Die Forscher konnten nun aber zusätzlich zeigen, dass die Tiere zudem andere Kost konsumierten.

science.ORF.at/APA/AFP

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