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Korsette helfen bei Skoliose

Bereits seit den 1940ern werden Korsette verschrieben, um eine fortschreitende Skoliose aufzuhalten. Die Wirksamkeit der Behandlung war bekannt, nun wurde sie erstmals in einer Studie belegt.

Wirbelsäule 20.09.2013

Skoliose ist eine Verdrehung der Wirbelsäule, die oft im Kindesalter diagnostiziert wird. Unbehandelt verschlimmert sich der Grad der Verdrehung meistens bis das Kind ausgewachsen ist. Korsette sollen diese Verschlimmerung während des Wachstums verhindern. Ist das Korsett nicht wirksam oder wird es gar nicht verwendet, ist ab einem bestimmten Winkel meist eine Operation zur Begradigung der Wirbelsäule notwendig.

Die Studie

"Effects of Bracing in Adolescents with Idiopathic Scoliosis" von Stuart Weinstein und Kollegen ist am 19.9. im "New England Journal of Medicine" erschienen.

Da laut dem Studienleiter Stuart Weinstein nur drei Prozent aller Kinder unter 16 Jahren eine Skoliose entwickeln, stammten die Studienteilnehmer aus dem Einzugsgebiet von 25 verschiedenen Institutionen in den Vereinigten Staaten und Kanada. Insgesamt nahmen 383 Kinder und Jugendliche, die erstmalig mit Skoliose diagnostiziert wurden, an der Studie teil. Um einen Vergleich zur Wirksamkeit der Korsette zu haben, gab es zwei Gruppen von Studienteilnehmern: Korsettträger und eine Beobachtungsgruppe, deren Krankheitsverlauf nur regelmäßig kontrolliert wurde.

Die Tragedauer entscheidet mit

Patienten, denen ein Korsett verschrieben wurde, sollten es 18 Stunden am Tag tragen. Den Ergebnissen zufolge reichen aber auch 13 Stunden. Bei den Patienten, die das Korsett mindestens 13 Stunden trugen, lag die Erfolgsrate zwischen 90 und 93 Prozent. Selbst von den inkonsequenten Korsett-Patienten konnten 41 Prozent ihre Wachstumsphase beenden, ohne dass die Skoliose fortschritt. Weinstein dazu: "Diese Studie zeigt, dass Korsette definitiv wirken und effektiv die Notwendigkeit einer Operation verhindern."

Ohne Berücksichtigung der Tragedauer lag die Erfolgsrate aller Patienten, die ein Korsett trugen, bei 72 Prozent. Von den Patienten der Beobachtungsgruppe schlossen nur 48 Prozent die Wachstumsphase ohne eine Verschlechterung der Skoliose ab. Weinstein ist aber überzeugt, dass weitere Analysen notwendig sind, um im Vorhinein feststellen zu können, bei welchen Patienten Korsette zu empfehlen sind.

Stefanie Braunisch, science.ORF.at

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