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Aufnahme der Erde vom Wettersatelliten MSG-3

Prognose: Regen wird nach Norden wandern

Sollte die Erderwärmung voranschreiten, werden sich die Wind- und Regengürtel der Erde in Richtung Norden verschieben, prognostizieren zwei US-Forscher. Das könnte den Monsunregen verstärken und Teile Amazoniens trockenlegen.

Klimawandel 24.09.2013

Kontinente und Ozeane sind auf der Erde ungleich verteilt, die Landmassen liegen zum Großteil im Norden, im Süden dominieren die Wasserflächen. Laut Computersimulationen wird sich daher die Nordhalbkugel im Zuge des Klimawandels stärker erwärmen. Anders ausgedrückt: Der sogenannte Wärmeäquator (die Zone der höchsten Temperatur auf der Erde) wird nach Norden wandern. Was nicht ohne Folgen für Wind und Wetter bleiben wird, wie nun Wallace Broecker und Aaron Putnam in einer aktuellen Studie schreiben.

Die Studie

"Hydrologic impacts of past shifts of Earth’s thermal equator offer insight into those to be produced by fossil fuel CO2", PNAS (23.9.2013; doi: 10.1073/pnas.1301855110).

Eine ähnliche Verschiebung hat es laut den beiden Klimaforschern bereits einmal gegeben, und zwar am Ende der letzten Eiszeit vor rund 15.000 Jahren. Damals stieg das Temperaturgefälle zwischen Nord und Süd relativ abrupt an, das arktische Meereis schmolz, jenes im Süden gewann hingegen an Volumen. Mit dem Ergebnis, dass der tropische Regengürtel nach Norden wanderte - und mit ihm auch die Windgürtel mittlerer Breitengrade.

Wiederholt sich die Geschichte?

Nachdem auch heute wieder das Meereis der Arktis schmilzt bzw. zu verschwinden droht, könnte sich die Geschichte wiederholen, schreiben Broecker und Putnam. Sie listen im Fachblatt "PNAS" jene heute noch nachweisbaren Veränderungen auf, die das Ende der letzten Eiszeit markierten.

Damals trocknete etwa der Tauca-See in den Anden fast vollständig aus, ein ähnliches Schicksal erlitten die Flüsse im Osten Brasiliens, der Lake Bonneville in Utah sowie der Vorläufer des heutigen Toten Meeres im Jordangraben.

Ursache: Im Westen Amerikas, im Nahen Osten sowie im südlichen Amazonien wurde es durch den historischen Klimawandel deutlich trockener.

Feuchter wurde es vor 15.000 Jahren hingegen in Venezuela, dem äquatorialen Afrika, sowie in den Monsunregionen Asiens. Sollte das auch heute der Fall sein, wird etwa der Viktoria-See, bereits heute der drittgrößte See der Welt, weiter an Volumen gewinnen. Deutlich anschwellen dürften auch jene Flüsse, die vor der Küste Venezuelas in den Golf von Cariaco münden.

Weltkarte: Wanderung des Regengürtels

Mats Halldin

Während des Sommers in der borealen Zone wandern die tropischen Regengürtel nordwärts. Der Klimawandel könnte eine ähnliche - dauerhafte - Verschiebung bewirken.

Broecker und Putnam haben für ihre Studie paläoklimatische Daten ausgewertet - ihre Prognose zur aktuellen Klimaentwicklung ist somit nur ein Analogieschluss quer durch die Erdgeschichte. Gleichwohl einer, der durch ein paar weitere klimatische Puzzleteile gestützt wird. Im Verlauf der sogenannten Kleinen Eiszeit, zwischen 1400 und 1850, passierte etwa genau das Gegenteil. Der Monsun wurde schwächer, das arktische Eis wuchs, Wind- und Regengürtel wanderten zwischenzeitlich südwärts.

Im kleinen Maßstab ereignete sich auch in den 1970er und 80er Jahren eine Abkehr vom globalen Trend, inklusive Wind- und Regenverschiebung. Damals kühlte sich die Nordhalbkugel durch die zunehmende Luftverschmutzung kurzfristig ab, was der afrikanischen Sahelzone eine verheerende Trockenperiode bescherte.

CO2 als große Unbekannte

Die große Unbekannte im Modell ist laut Broecker und Putnam das CO2. Denn das historische Temperaturgefälle zwischen Nord und Süd wurde vor allem durch die globale Meereisverteilung angetrieben. Heute sind es hingegen die Treibhausgase, die Forscher für das Temperaturplus im Norden verantwortlich machen. Beides kurzerhand gleichzusetzen, das geben die beiden zu, sei zu einfach.

Außerdem existieren bisher noch keine Hinweise darauf, dass die Niederschläge in den Monsungebieten heute tatsächlich stärker geworden sind. Falls es dabei bleibt, haben die beiden Klimaforscher noch eine Zusatzhypothese in petto. Sie vermuten: Die steigende Luftverschmutzung in Asien könnte den Effekt aufgehoben haben.

Robert Czepel, science.ORF.at

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