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Peter Higgs

Wo ist Peter Higgs?

Am Dienstag wurde Peter Higgs mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet - in Abwesenheit: Denn der 84-jährige Wissenschaftler ist zurzeit unauffindbar. Selbst seine engsten Mitarbeiter wissen nicht, wo er steckt.

Abwesend 10.10.2013

Bevor das Nobelpreiskomitee die Namen der aktuellen Laureaten veröffentlicht, erhalten zunächst die Preisträger einen Anruf. So will es die Tradition. In diesem Jahr war die ehrwürdige Schwedische Akademie der Wissenschaften allerdings gezwungen, das bewährte Protokoll zu ändern. Denn der Brite Peter Higgs, Preisträger für Physik 2013, war nicht erreichbar - weder vor der offiziellen Verkündigung noch danach. Alles, was man von ihm erhalten habe, sei ein Schreiben von Higgs' Universität in Edinburgh gewesen, sagt Annika Moberg von der Schwedischen Wissenschaftsakademie gegenüber science.ORF.at.

In der Presseaussendung der Universität wird der Physiker mit den Worten zitiert: "Ich bin überwältigt. Ich danke der Schwedischen Akademie der Wissenschaften." Die beiden Sätze waren offenbar vorbereitet. Kein Wunder, denn selten zuvor war ein Wissenschaftler so klarer Favorit für den Gewinn des Nobelpreises gewesen wie in diesem Jahr. Hätte er, Higgs, den Preis nicht erhalten, wäre die Logik der Preisvergabe völlig über den Haufen geworfen worden.

Langes Warten auf den Nachweis

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Ö1-Sendungshinweise

Die Ö1-Journale und Ö1-"Wissen aktuell" berichten in der "Nobelpreiswoche" von 7. bis 11. Oktober über alle Auszeichnungen.

Im Juli 2012 gelang Forschern des Europäischen Kernforschungszentrums (CERN) der experimentelle Nachweis jenes Mechanismus, der die Masse ins Universum bringt. Higgs und sein belgischer Kollege Francois Englert hatten diesen Effekt bereits in den 60er Jahren mit Formeln beschrieben. Dass es von der Idee zur Bestätigung des Modells so lange dauerte, liegt daran, dass das Higgs-Boson ein sehr flüchtiger Bewohner des Teilchenzoos ist, dessen man nur mit größtem Aufwand habhaft werden kann.

Dafür sind Teilchenbeschleuniger mit extremen Energien notwendig, zudem eine Datenanalyse, die aus Myriaden von Messergebnissen die einigen wenigen relevanten auszusieben vermag. In welchen Größenordnungen sich die Analyse bewegt, zeigt dieser Vergleich: Die Experimente am CERN produzieren jährlich 15 bis 20 Petabyte an Daten. Würde man dieses Volumen auf CDs speichern, ergäbe das einen 20 Kilometer hohen Turm an Silberscheiben.

Kein Computer, kein Handy

Die Großwissenschaft und ihre technologischen Exzesse sind nicht die Welt des Peter Higgs. Er ist ein Theoretiker der alten Schule, besitzt keinen Computer, kein Mobiltelefon und kommuniziert mit Journalisten - wenn überhaupt - per Brief. Wo Higgs zurzeit ist, wissen nicht einmal seine engsten Mitarbeiter. Sein Kollege Alan Walker sagte gegenüber dem britischen "Guardian": "Er hat es mir nicht erzählt. Er ist einfach nicht da - gut für ihn." Higgs scheint momentan so wenig greifbar, wie es der von ihm prognostizierte Effekt jahrzehntelang war.

Doch das Warten hat laut Universität Edinburgh bald ein Ende. Am Freitag um 12.00 Uhr, findet an der schottischen Universität eine Pressekonferenz statt, bei der sich Higgs erstmals zu seiner Auszeichnung äußern wird. Diese wird auch auf der Website seiner Universität übertragen, ansonsten wird der Forscher an seinen Gepflogenheiten nichts ändern. "Für Einzelinterviews", präzisiert die Universität, "steht Professor Higgs nicht zur Verfügung."

Robert Czepel, science.ORF.at

Die Nobelpreise 2013: