Standort: science.ORF.at / Meldung: "Möglicher Wirkstoff gegen Alzheimer"

Eine Nervenzelle unter dem Mikroskop

Möglicher Wirkstoff gegen Alzheimer

Britische Wissenschaftler haben bei Mäusen mit Erfolg ein Medikament getestet, das künftig im Kampf gegen Alzheimer oder Parkinson eingesetzt werden könnte. Es sorgt dafür, dass die Produktion von Proteinen im Gehirn trotz bestimmter neuronaler Erkrankungen fortgesetzt wird.

Mäusestudie 10.10.2013

Gegen Gedächtnisverlust

Die Studie in "Science Translational Medicine":

"Oral Treatment Targeting the Unfolded Protein Response Prevents Neurodegeneration and Clinical Disease in Prion-Infected Mice" von Julie A. Moreno et al., erschienen am 9. Oktober 2013.

Krankheiten wie Alzheimer äußern sich in der Ablagerung von fehlgeformten Eiweißstrukturen im Gehirn. Um sich davor zu schützen, stoppt das Gehirn die Produktion neuer Proteine. Die Ansammlung der fehlgeformten Proteinklumpen - bei Alzheimer sind solche Ablagerungen als Plaques bekannt - führt aber dazu, dass dieser Schutzmechanismus nicht mehr abgeschaltet wird. Dadurch wird auch die Produktion von für das Überleben des Gehirns lebenswichtigen Proteinen gestoppt. In der Folge sterben Nervenzellen ab, die Folge ist der Verlust des Gedächtnisses.

Wissenschaftler der Universität Leicester testeten nun ein Medikament, das dafür sorgt, dass die Eiweißproduktion im Gehirn fortgesetzt wird. Das Medikament testeten sie an 29 mit Prionen infizierten Mäusen. Prionen sind infektiöse Partikel, die unter anderem für die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verantwortlich sind. Auch hier kommt es zur Bildung von Proteinklumpen im Gehirn. Das Medikament setzt an einem Enzym namens PERK an, das bei der Proteinproduktion im Gehirn eine wichtige Rolle spielt.

Hoffnung für Menschen

Mäuse, die sieben Wochen nach einer Prionen-Infektion mit dem Medikament behandelt wurden, wiesen bei Tests keinen Gedächtnisverlust auf. Eine Untersuchung der Gehirne der getöteten Mäuse bestätigte, dass kaum Gehirnzellen abgestorben waren.

Das Ergebnis sei zwar ein Erfolg, sagte die an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin Giovanna Mallucci. Noch sei man aber weit entfernt von einem Medikament für Menschen, zumal es noch sehr starke Nebenwirkungen gebe. Auch die britische Alzheimer-Gesellschaft mahnte, die Ergebnisse von Tierversuchen seien nicht direkt auf den Menschen übertragbar. Es sei noch viel Forschung notwendig.

Weltweit leiden laut der Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als 35 Millionen Menschen an Alzheimer, der am weitesten verbreiteten Form der Demenz. Die Zahl der Patienten dürfte bis 2030 auf mehr als 65 Millionen ansteigen.

science.ORF.at/AFP

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