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Gerstenähren auf dem Feld

Parallelgesellschaft: Jäger, Sammler und Bauern

In einer Höhle in Deutschland haben Forscher Knochen von Steinzeitmenschen ausgegraben, die dort über Jahrtausende hinweg bestattet wurden. Es waren sowohl Bauern als auch Jäger und Sammler. Untersuchungen ergaben, dass die Gruppen im steinzeitlichen Mitteleuropa mehr als 2.000 Jahre parallel gelebt haben müssen.

Anthropologie 11.10.2013

Bisher ist man davon ausgegangen, dass die Wildbeuter recht bald nach Ankunft der sesshaften Bauern verschwanden. "Tatsächlich behielten die Nachfahren der mittelsteinzeitlichen Menschen ihre Lebensweise als Jäger und Sammler zunächst bei", so die Forscher um Ruth Bollongino und Joachim Burger vom Institut für Anthropologie der Johannes Gutenberg-Universität.

Die Studie in "Science":

"2000 Years of Parallel Societies in Stone Age Central Europe" von R. Bollongino et al., erschienen am 11. Oktober 2013.

Zum Ende der vergangenen Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren lebten in Europa die Nachfahren der ersten anatomisch modernen Menschen. Sie ernährten sich von der Jagd und dem Sammeln wilder Gräser, Früchte und Knollen. Erste Anzeichen einer bäuerlichen Lebensweise in Mitteleuropa sind etwa 7.500 Jahre alt. Bollongino fand nun Beweise für steinzeitliche Parallelgesellschaften bis vor 5.000 Jahren. Dazu untersuchte sie Knochen von 25 Menschen, die in der westfälischen Blätterhöhle über einen Zeitraum von mehr als 4.000 Jahren bestattet worden waren.

Steinzeitliche Grabstätte

State Office for Heritage Management and Archaeology Saxony-Anhalt]

Eine steinzeitliche Grabstätte.

Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass die Jäger und Sammler in der gleichen Höhle ihre Toten bestatteten wie die Ackerbauern. Wildbeuter-Frauen heirateten bisweilen in die Bauerngesellschaften ein, während sich keine genetischen Linien der Bauersfrauen bei den Jägern und Sammlern finden. "Dieses Heiratsmuster ist bekannt. Bauersfrauen empfanden die Einheirat in Wildbeuter-Gruppen als sozialen Abstieg", erklärte Bollongino.

Durchmischter Genpool

Die Studie in "Science":

"Ancient DNA Reveals Key Stages in the Formation of Central European Mitochondrial Genetic Diversity" G. Brandt et al., erschienen am 11. Oktober 2013.

Das Forscherteam spürte auch der Frage nach, welchen Einfluss beide Gruppen auf den Genpool der heutigen Europäer hatten. Demnach sind weder Jäger und Sammler noch Ackerbauern alleine die Vorfahren. "Es sind die Mischpopulationen aus beiden, die potenziell die direkten Vorfahren heutiger Mitteleuropäer darstellen", erklärte der Mainzer Populationsgenetiker Adam Powell.

Wie frühzeitliche Völkerwanderungen den genetischen Pool in Europa beeinflusst haben, erforschte auch eine Gruppe unter Federführung des Mainzer Biologen Guido Brandt von der Arbeitsgruppe Bioarchäometrie(www.uni-mainz.de Gemeinsam mit Kollegen in Halle untersuchte er die Erbsubstanz von 364 Menschen, die vor rund 7.500 bis 3.500 Jahren in der Mittelelbe-Saale-Region lebten. Die ebenfalls in "Science" veröffentlichten Daten zeigen unter der anderem den Einfluss von Jägern und Sammlern aus Skandinavien. Die Forscher gehen davon aus, dass es einen Austausch mit den mitteleuropäischen Kulturen gab.

science.ORF.at/APA/dpa

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