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Alfred Nobel vor Kursverlauf einer Börse

"Wirtschaftsnobelpreis" für Kurspropheten

Der "Wirtschaftsnobelpreis" 2013 geht an die drei US-Ökonomen Eugene Fama, Lars Peter Hansen und Robert Shiller. Sie wurden für ihre Arbeiten zur Vorhersage von Aktien- und Wertpapierkursen ausgezeichnet, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm mit.

Auszeichnungen 14.10.2013

Die Entwicklung von Aktien- und Wertpapieren könne zwar kurzfristig nicht vorhergesagt werden, heißt es in der Urteilsbegründung, die drei Preisträger hätten aber wichtige Beiträge dazu geleistet, wie sich die Kurse in längeren Zeiträumen von drei bis fünf Jahren verhalten.

Die Auszeichnung ist umstritten, weil sie nicht wie die anderen Nobelpreise auf das Testament des Schweden Alfred Nobel zurückgeht, sondern erst 1968 von der Reichsbank in Stockholm gestiftet wurde. Seitdem zeichnete die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie meist US-Ökonomen aus.

Dir drei Wirtschaftsnobelpreisträger 2013 im Porträt

Creative Commons/M. Hager. World Economic Forum/Univ. Chicago

Eugene Fama, Robert Shiller und Lars Peter Hansen

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Ö1-Sendungshinweise

Die Ö1-Journale und Ö1-"Wissen aktuell" berichten über alle Nobelpreise 2013.

Forschung seit den 1960er Jahren

Fama von der University of Chicago hatte bereits in den 1960er Jahren gezeigt, wie schnell neue Informationen zu börsennotierten Papieren "eingepreist" werden und wie schwierig es deshalb ist, Kursschwankungen zu prognostizieren. Das habe die Praxis auf den Finanzmärkten verändert - etwa durch die Einrichtung der in angelsächsischen Ländern verbreiteten Indexfonds.

Shiller von der Yale University fand in den frühen 1980er Jahren heraus, dass sich die Kursentwicklung über längere Zeiträume besser vorhersagen lässt. Aktienkurse fluktuieren ihm zufolge stärker als die Dividende von Unternehmen. Aus deren Verhältnis lassen sich Prognosen treffen, und das gelte nicht nur für Aktien, sondern auch für Wertpapiere und andere Vermögenswerte.

Hansen von der University of Chicago widmete sich der Frage, wie rationale Investoren mit der Unsicherheit dieser Preisentwicklungen umgehen. Mögliche hohe Gewinne in der Zukunft werden demnach als Kompensation für "riskante" Wertpapiere in einer unsicheren Gegenwart gesehen. Hansen habe eine statistische Methode entwickelt, mit der sich dieses Verhalten prüfen lasse.

Prophet der US-Immobilienblase

Fama und Shiller galten schon länger als Favoriten für die Auszeichnung. Shiller hat früh vor einer Spekulationsblase am amerikanischen Häusermarkt gewarnt, von der die globale Finanzkrise ausging, und ist Miterfinder eines wichtigen Barometers (Case/Shiller-Index) für den US-Immobilienmarkt.

Der Forscher zeigte sich sehr überrascht von der Auszeichnung. Auch wenn viele Menschen gehofft hätten, dass er den Nobelpreis gewinnen würde - "ich habe es nicht erwartet", sagte Shiller, der per Telefon zur Pressekonferenz zugeschaltet war.

"Ich habe angefangen, mich für Wirtschaft zu interessieren, weil sie sich wirklich mit vielen wichtigen Problemen auseinandersetzt", sagte Shiller, der bei der Pressekonferenz in Stockholm per Telefon zugeschaltet wurde. "Das Finanzwesen steuert die moderne Gesellschaft. Das mag sich für manche Menschen seltsam anhören, aber es ist absolut wahr."

Hayek der bisher einzige Österreicher

Der Wirtschaftsnobelpreis ist mit acht Millionen Kronen (rund 910.000 Euro) dotiert, offiziell überreicht wird er am 10. Dezember, dem Todestag von Stifter Nobel. Vergangenes Jahr wurden die beiden US-Forscher Alvin Roth und Lloyd Shapley für ihre Arbeiten zur optimalen Abstimmung von Angebot und Nachfrage ausgezeichnet. Aus Österreich war bisher nur ein Preisträger dabei: 1974 wurde Friedrich August von Hayek (1899 bis 1992), einer der wichtigsten Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, gemeinsam mit dem schwedischen Forscher Gunnar Myrdal (1898 bis 1987) der Wirtschaftsnobelpreis verliehen.

Der "Wirtschaftsnobelpreis" ging bisher fast ausschließlich an Männer. Einzige Ausnahme war 2009 die voriges Jahr verstorbene US-Forscherin Elinor Ostrom. Im Schnitt sind die Ausgezeichneten 67 Jahre alt, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften mit.

science.ORF.at/APA/dpa/Reuters

Die wissenschaftlichen Nobelpreise 2013:

Die "Wirtschaftsnobelpreise" der vergangenen Jahre: