Standort: science.ORF.at / Meldung: "Kleinkind dauerhaft von HIV geheilt"

Künstlerische Darstellung des HI-Virus.

Kleinkind dauerhaft von HIV geheilt

Der Behandlungserfolg bei einem mit dem HI-Virus zur Welt gekommenen Mädchen lässt hoffen, dass eine frühe Therapie die Vermehrung der Viren bei Neugeborenen verhindern kann. Im Frühjahr war der Fall bekanntgeworden. Bei der heute Dreijährigen kann einer neuen Studie zufolge von einer "funktionellen Heilung" gesprochen werden.

Immunabwehr 25.10.2013

Anhaltende Wirkung

Die Studie im "New England Journal of Medicine":

"Absence of Detectable HIV-1 Viremia after Treatment Cessation in an Infant" von Deborah Persaud et al., erschienen am 23. Oktober 2013

Bei dem Kind, das im Mutterleib durch seine HIV-positive Mutter infiziert worden war, war den Wissenschaftlern zufolge weniger als 30 Stunden nach seiner Geburt - und damit deutlich früher als üblich - eine antiretrovirale Therapie eingeleitet worden. Schon 29 Tage nach seiner Geburt seien bei ihm keine HI-Viren mehr nachweisbar gewesen.

Die Medikamente nahm das Mädchen bis zum Alter von 18 Monaten ein, danach verloren ihre Ärzte zehn Monate lang den Kontakt zu der Patientin. Doch obwohl sie nun insgesamt 18 Monate lang keine antiretroviralen Medikamente bekam, brachen bei ihr keine Symptome der durch HIV ausgelösten Immunschwächekrankheit Aids aus.

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtete auch Wissen Aktuell am 25.10. um 13.55 Uhr.

"Unsere Beobachtungen legen nahe, dass dieses Ausbleiben kein Zufall ist, sondern wahrscheinlich das Ergebnis einer sehr frühzeitigen aggressiven antiviralen Therapie, die das HI-Virus daran gehindert hat, sich in den Abwehrzellen des Kindes einzunisten", so die Virologin Deborah Persaud vom renommierten Johns Hopkins Hospital in Baltimore. Auf dieser Grundlage soll nun Anfang kommenden Jahres eine durch US-Bundesmittel geförderte Studie zur frühzeitigen antiviralen Therapie bei HIV-infizierten Neugeborenen gestartet werden.

Einzige anerkannte Heilung

Obwohl eine antiretrovirale Therapie während der Schwangerschaft die Infektion von Föten in 98 Prozent der Fälle verhindert, kommen jährlich immer noch mehr als 260.000 Kinder zur Welt, die im Mutterleib mit HIV infiziert wurden. Besonders häufig sind die Fälle in Entwicklungsländern.

Die bisher einzige anerkannte Heilung eines Aids-Patienten ist der Fall des US-Bürgers Timothy Brown, bei dem in den 90er Jahren in Berlin Aids diagnostiziert wurde. Die Heilung setzte bei dem als "Berliner Patient" bekanntgewordenen Brown ein, nachdem ihm wegen einer Leukämieerkrankung Spenderknochenmark transplantiert worden war, das eine seltene genetische Veränderung aufwies. Diese Therapie kann aber nicht massenhaft bei den 33 Millionen HIV-Infizierten weltweit angewendet werden.

science.ORF.at/AFP

Mehr zum Thema: