Standort: science.ORF.at / Meldung: "Der Hund ist ein Europäer "

Gähnender Hund liegt am Strand

Der Hund ist ein Europäer

In Europa und nicht wie oft gedacht in Ostasien wurde aus dem Wolf ein Hund. Jäger und Sammler haben sich vermutlich als erste mit dem Tier angefreundet. Diese Ergebnisse einer genetischen Studie beenden zumindest vorerst die Diskussion um den Ursprung des Hundes.

Abstammung 15.11.2013

Begleiter von Jägern und Sammlern

Die Studie in "Science":

"Complete Mitochondrial Genomes of Ancient Canids Suggest a European Origin of Domestic Dogs" von O. Thalmann et al., erschienen am 15. November 2013.

Die Forscher um Olaf Thalmann von der finnischen Universität Turku verglichen das Erbgut moderner Hunde und Wölfe mit jenem von prähistorischen Tieren aus verschiedenen Erdteilen. Demnach stammen alle heute lebenden Hunde von europäischen Vorfahren ab. Eine Beziehung zu Wölfen außerhalb Europas sei hingegen nur entfernt vorhanden. Der Wolf wurde also zuerst in Europa zum besten Freund des Menschen.

Zudem untersuchten Thalmann und seine Kollegen den Zeitpunkt der Domestizierung. Demnach begann sie vor etwa 19.000 bis 32.000 Jahren - zu einer Zeit als Europa von Jägern und Sammlern bevölkert war.

Vermutlich folgten die Wölfe den jagenden Menschen auf der Suche nach Aas und Nahrungsresten und gaben so den Anstoß zum späteren Zusammenleben, schreibt das Team um Thalmann. Es widerspricht damit der bisherigen Annahme, dass die Landwirtschaft Wölfe in die Dörfer lockte und dies zur anschließenden Domestizierung führte.

Gemeinsame Stammbäume

8.500 Jahre altes Hundgrab

Del Baston, Center for American Archaeology

8.500 Jahre altes Hundegrab in Illinois.

"Damit gab es den Hund als Haustier, lange bevor zum Beispiel Ziegen, Schafe oder Rinder domestiziert wurden", erklärte Mitautor Johannes Krause vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen. Den Forschern zufolge unterscheidet sich das Erbgut von Hund und Wolf bis heute weiterhin kaum. Die Schädelform sei jedoch recht verschieden, so sei etwa die Schnauze beim Hund kürzer als beim Wolf.

Für ihre Studie analysierten die Forscher das Erbgut von 18 prähistorischen Tieren, das von 77 modernen Hunden und das von 49 Wölfen. Dabei nutzen sie die DNA aus den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, das nur über die weibliche Linie weitergegeben wird und daher die Verwandtschaftsbeziehungen sehr genau abbildet.

"Ich war verblüfft, wie deutlich herauskam, dass die heute lebenden Hunde alle auf gemeinsame Stammbäume zurückgehen, nämlich vier Abstammungslinien, die alle in Europa ihren Anfang nahmen", ergänzte Thalmann.

science.ORF.at/dpa

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