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HI-Virus und menschliche Zelle

Unbehandelte verbreiten oft resistente HI-Viren

Laut einer Studie übertragen vor allem unbehandelte Personen HI-Viren, die gegen die entsprechenden Medikamente resistent sind. Mediziner zeigten sich angesichts dieses Ergebnisses überrascht und forderten verstärkte Maßnahmen zur Prävention und Früherkennung.

Medizin 18.11.2013

Nur so könne die Ausbreitung der unempfindlichen Viren gestoppt werden, betonten die Mediziner.

Die Studie:

"Treatment-Naive Individuals Are the Major Source of Transmitted HIV-1 Drug Resistance in Men Who Have Sex With Men in the Swiss HIV Cohort Study" ist im Fachjournal "Clinical Infectious Diseases" erschienen (DOI:10.1093/cid/cit694).

140 Patienten mit resistenten Viren

"Der Befund hat uns erstaunt", sagte Studienleiter Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich in einer Mitteilung des Schweizerischen Nationalfonds, der die Arbeit unterstützte. Bisher sei man davon ausgegangen, dass die resistenten Viren von Patienten stammten, die zwar behandelt worden waren, deren Therapie aber wegen der Bildung von Resistenzen fehlschlug.

Die Forscher hatten für ihre Studie Blutproben von 1.674 männlichen HIV-Infizierten, die homosexuelle Geschlechtskontakte hatten, untersucht. Bei 140 Patienten wiesen sie resistente Viren nach, berichtete das Team um Huldrych Günthard und Roger Kouyos.

Übertragung unterbinden

Aus dem Zeitraum, in dem sich die Patienten vermutlich angesteckt hatten, und dem genetischen Verwandtschaftsgrad der Viren rekonstruierten die Forscher die Übertragungsketten. Diese begannen mehrheitlich bei HIV-Infizierten, die zum Zeitpunkt der Verbreitung der resistenten Viren noch nicht in Behandlung standen.

Bei der Bekämpfung dieser Resistenzen komme es also nicht nur auf eine optimale Behandlung an, sondern auch darauf, dass die von unbehandelten Personen ausgehende Übertragung unterbunden wird, erklärten die Mediziner. Hierbei seien insbesondere die Prävention und die frühe Erkennung von Neuinfektionen entscheidend.

Zu späte Feststellung

"Der HIV-Test bedarf in der Schweiz im Gegensatz zu anderen Tests wie etwa Hepatitis der Einwilligung des Patienten", sagte Günthard. Doch weil sich viele Ärzte scheuten, mit ihren Patienten offen etwa über Sexualität zu sprechen, würden viele Infektionen erst viel später als möglich und nötig festgestellt.

Die Studie fand im Rahmen der Schweizerischen HIV-Kohorte statt. Für diese sammeln seit 1988 sämtliche auf HIV spezialisierte Kliniken in der Schweiz Daten, um die Krankheit Aids besser verstehen und Patienten besser betreuen zu können. Derzeit nehmen 8.800 Personen teil, davon fast ein Drittel Frauen.

science.ORF.at/APA/sda

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