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Händchen haltendes Paar auf einer Landstraße

Höhere Trefferquote beim Online-Dating

Wer im Internet einen Beziehungspartner finden will, bekommt von Dating-Seiten jene Personen vorgeschlagen, die möglichst gut zu einem passen sollen. Forscher haben nun eine Methode entwickelt, die auch die eigene Wirkung auf die anderen mit einberechnet - um die Wahrscheinlichkeit einer positiven Antwort zu erhöhen.

Informatik 22.11.2013

Sie sind Akademiker und suchen andere "Singles mit Niveau"? Oder ein Star-Trek-Fan, auf der Suche nach dem Trekkie fürs Leben? Oder soll es doch ein unverbindliches, erotisches Abenteuer sein? Dating-Websites gibt es inzwischen für jede Zielgruppe, und sie werden stetig mehr. Kein Wunder, stecken doch große Summen im Geschäft mit der Partnersuche im Internet: Knappe 18 Millionen Euro ist der Online-Dating-Markt allein in Österreich schwer. Dabei teilen sich den deutschsprachigen Raum im Wesentlichen vier Anbieter auf: Parship, ElitePartner, eDarling und FriendScout24.

Die Studie:

"User recommendation in reciprocal and bipartite social networks - a case study of online dating" von Kang Zhao, Xi Wang, Mo Yu, and Bo Gao ist auf dem Pre-Print-Server arxiv.org erschienen.

All diese Seiten haben eines gemeinsam: Sie werben damit, genau jenen Partner bzw. jene Partnerin zu vermitteln, der bzw. die am besten zu einem passt. Um einem User, einer Userin potenzielle Partner vorzuschlagen, bedienen sich diese Websites ähnlicher Techniken wie beispielsweise Amazon, wenn es darum geht, Bücher zum Kauf vorzuschlagen. Dort wird analysiert welche Bücher ein User bisher gekauft hat, dann werden andere User ausfindig gemacht, die ähnliche Bücher gekauft haben, und schon schlägt Amazon diverse Bücher aus der Liste des anderen Users vor.

Geschmackliche Vernetzung

Dating-Websites arbeiten sehr ähnlich. Sie analysieren, an wen innerhalb des Dating-Netzwerkes bereits Nachrichten versendet wurden und anhand anderer User mit ähnlichem Geschmack werden weitere potenzielle Dating-Partner aufgespürt und vorgeschlagen.

Viele der bekannten Dating-Seiten ermitteln auch mittels Fragebogen persönliche Vorlieben und Erwartungen, die einzelne User an ihre potenziellen Partner haben, und berücksichtigen diese Daten in der Suche. Eine Sache wird allerdings nicht mit einberechnet: die eigene Attraktivität bzw. Wirkung auf andere und die daraus resultierende Wahrscheinlichkeit, eine Antwort von den durch die Website vorgeschlagenen Usern zu erhalten.

Kang Zhao von der University of Iowa und Kollegen haben sich näher mit diesem Problem befasst und eine Art Suchmaschine oder besser eine "Vorschlags-Maschine" programmiert, die auch diesen Faktor in ihre Berechnungen miteinbezieht. Der erwartete Nutzen daraus: Die Suchenden sollen weniger oft durch ausbleibende Antworten ihrer virtuellen Angebeteten enttäuscht werden.

Dazu haben Zhao und Kollegen ihre "Vorschlags-Maschine" um eine Dimension erweitert: Sie analysiert nicht nur die Anfragen, die versendet werden, sondern auch die Antworten, die ein User erhält. Dadurch soll neben dem individuellen Geschmack auch erhoben werden, welche User einen anderen attraktiv finden und deshalb auf Anfragen eher antworten. So jedenfalls die Theorie von Zhao.

Testphase positiv abgeschlossen

Bisher kam die "Vorschlags-Maschine" aus Iowa zwar noch nicht zur Anwendung, die Wissenschaftler haben ihr Programm aber bereits getestet. Dazu haben sie 47.000 anonymisierte Datensätze einer Online-Dating-Plattform über 196 Tage genutzt. 98 Tage hat es gedauert, den Geschmack und die Attraktivität jedes einzelnen Users zu berechnen.

Danach wurden die Vorschläge, die durch die neue "Vorschlags-Maschine" generiert wurden mit den Ergebnissen, die mithilfe gängiger Methoden erzielt werden, verglichen. Etwa mit solchen, die nur den persönlichen Geschmack oder angegebene Vorlieben und Abneigungen der User berücksichtigen. Sie verglichen zuerst die Anzahl der angenommenen Dating-Vorschläge, die die einzelnen User mit den unterschiedlichen Methoden erhielten - also wie viele der vorgeschlagenen Dating-Partner von einem User tatsächlich kontaktiert wurden.

Das sollte zeigen, wie gut die jeweilige Methode den Geschmack eines Users, einer Userin erfasst. In weiterer Folge haben sie auch getestet, wie viele Anfragen erwidert wurden. Diese Testung habe klar gezeigt, dass mithilfe der neuen "Vorschlags-Maschine" die Wahrscheinlichkeit, eine Antwort zu erhalten, deutlich höher sei, fassen die Autoren das Ergebnis zusammen.

Die Revolution am Online-Dating-Markt?

Ob das auch die Betreiber der Online-Dating-Seiten überzeugt und die neue Technik aus Iowa bald den Markt revolutioniert, wird sich noch zeigen. Zhao und Kollegen haben jedenfalls noch keine Angaben dazu gemacht, ob sie planen ihre "Vorschlags-Maschine" zu verkaufen, oder ob sie vielleicht sogar ihr eigenes Dating-Netzwerk aufbauen.

Fest steht für die Studienautoren jedenfalls, dass die Methode nicht nur zur Partnersuche, sondern auch in anderen Bereichen eingesetzt werden kann - etwa bei Jobvermittlungs-Netzwerken.

Theresa Aigner, science.ORF.at

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