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Eine Frau liegt mit Schnupfen im Bett und putzt sich gerade die Nase

Die Kanäle der Schnupfenviren

Verlässt das Erbgut von Schnupfenviren seine schützende Hülle, verändert sich seine Form. Das berichten Wiener Forscher und ihre spanischen Kolleginnen und Kollegen. Sobald die Krankheitserreger ins Zellinnere gelangen, werden sie vermehrt.

Biochemie 26.11.2013

Kontrolliert und geordnet

Biochemiker Dieter Blaas von den Max F. Perutz Laboratories in Wien und seine Kolleginnen und Kollegen berichten von folgendem Mechanismus: Wenn Schnupfenviren Zellen befallen, bekommen ihre Eiweißkapseln Löcher. Das Erbgut kann herauskommen und in die Zellen gelangen, wo es vermehrt wird.

Nun haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass sich auch die Struktur des Erbguts ändert, damit es seine schützende Hülle kontrolliert und wohlgeordnet verlassen kann.

Dieter Blaas erklärt: "Wir wissen, dass diese Viren innerhalb der Zelle in den sogenannten Endosomen an die Membran binden, und dann dort die RNA durch einen Kanal durchgeht, durch einen Kanal, den noch keiner gesehen hat. Das heißt: Was uns interessiert sind diese sehr frühen Vorgänge der Infektion."

Weiter unheilbar

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Wege der Schnupfenviren berichtete auch "Wissen Aktuell" am 26. November 2013 um 13.55 Uhr.

Vielleicht sind die Kontaktpunkte der RNA mit der Innenseite der Virus-Kapsel sogar dynamisch, so dass das Erbgut wie auf Schienen zum Ausgang geleitet wird.

Handwerkszeuge der Forscher sind übrigens dreidimensionale Elektronenmikroskopie und Röntgenstrukturanalysen. Trotz der neuen Erkenntnisse bleibt aber eines unmöglich: den Schnupfen zu heilen.

Martin Haidinger, Ö1 Wissenschaft

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