Standort: science.ORF.at / Meldung: "Der lange Weg vom Vier- zum Zweibeiner"

Schematische Darstellung des Übergangs vom vier- zum zweibeinigen Gehen

Der lange Weg vom Vier- zum Zweibeiner

Die Evolution des Menschen ist ebenso komplex wie umstritten. Orrorin tugenensis scheint als direkter Vorfahr auszuscheiden. Einer der ersten Zweibeiner überhaupt könnte der - wegen seiner Entdeckung im Jahr 2000 so benannte - "Millennium Man" aber gewesen sein.

Anthropologie 03.12.2013

Nun vorliegende Daten könnten dabei helfen, die Entstehung des aufrechten Gangs nachzuvollziehen.

Oberschenkelknochen analysiert

Der Oberschenkelknochen von Orrorin tugenensis

David Alba

Der untersuchte Oberschenkelknochen von Orrorin tugenensis

Die Studie:

"The femur of Orrorin tugenensis exhibits
morphometric affinities with both Miocene
apes and later hominins" erscheint am 3. Dezember in "Nature Communications" (DOI: 10.1038/ncomms3888).

Forscher gehen derzeit überwiegend davon aus, dass O. tugenensis zwar noch Bäume erklomm, sich am Boden aber vor allem auf zwei Beinen fortbewegte. Die Wissenschaftler um Sergio Almécija vom Stony Brook University Medical Center in New York hatten nun den am besten erhaltenen Oberschenkelknochen BAR1002'00 aus den bisher gefundenen Fossilien von Orrorin tugenensis für ihre Analyse gewählt.

Sie verglichen 13 markante Merkmale mit denen bei Menschen und Menschenaffen sowie bei Fossilien früher Affen- und Homininenspezies aus dem Miozän (vor ca. 23 bis 5 Millionen Jahren).

Zwischen Affen und Menschen

Hominini:

Als Hominini werden alle Arten der Gattung Homo einschließlich Homo sapiens und die ausgestorbenen Vorfahren dieser Gattung bezeichnet. Die gemeinsamen Vorfahren von Schimpansen und Homo gehören nicht dazu.

Orrorin tugenensis, wegen seiner Entdeckung in Kenia im Jahr 2000 auch "Millennium Man" genannt, weist demnach sowohl Merkmale ausgestorbener Affen als auch früher Homininer auf. Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass sich der moderne Mensch nicht direkt aus O. tugenensis entwickelte - wie von den Entdeckern zunächst angenommen. Die frühesten Homininen seien wahrscheinlich primitive Zweibeiner gewesen, die vor rund sechs Millionen Jahren aus einer afrikanischen Affenart hervorgingen.

Ihre Studie zeige, wie wichtig es sei, beim Studium des aufrechten Ganges auch ausgestorbene und nicht nur lebende Menschenaffenspezies einzubeziehen, schreiben die Forscher. Einige Affenarten des Miozän seien deutlich besser als solche Menschenaffenspezies geeignet, eine Stufe des Stammbaums zu repräsentieren, aus dem sich die Homininen entwickelten. Dies gelte zumindest für den Oberschenkelknochen.

science.ORF.at/APA/dpa

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