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Mann arbeitet mit Lexikon

Bildung treibt Entwicklung an

Der Befund, dass es wirtschaftlich bergauf geht, wenn die Geburtenrate zurückgeht, ist weitverbreitet in der Bevölkerungsforschung. Eine Studie kommt nun zum Schluss, dass der Aufschwung jedoch vielmehr vom Bildungsniveau abhängt. In Ländern, in denen nur die Anzahl der Geburten zurückgeht, stieg der Wohlstand nämlich weniger stark.

Demographie 04.12.2013

Geburtenkontrolle für Aufschwung

Die Studie in "Demography":

"Is the Demographic Dividend an Education Dividend?" von Jesús Crespo Cuaresma et al., erschienen im Dezember 2013.

Sinken in einer zuvor kinderreichen Gesellschaft die Geburtenraten, dann entsteht ein Zeitfenster, in dem der im Erwerbsleben stehende Bevölkerungsanteil im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ansteigt. Dieser größere potenziell produktive Teil der Gesellschaft muss in den folgenden Jahrzehnten weniger von ihm wirtschaftlich abhängige Kinder und ältere Menschen versorgen.

Das kann dazu führen, dass in diesem Land mehr konsumiert, gespart und investiert wird, was wiederum zum wirtschaftlichen Aufschwung führt. In der Bevölkerungsforschung wird dieser Effekt "Demographische Dividende" genannt. Aufgrund dieses wissenschaftlichen Befundes reagierte die Politik in vielen Ländern mit Programmen zur Geburtenkontrolle.

Bildung entscheidend

Die Forscher des Internationalen Instituts für Angewandte System Analyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien und des Wiener "Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital" haben jetzt eine Untersuchung vorgestellt, die zeigt, dass eine Reduktion der Anzahl der Geburten zu kurz greift. Der Zusammenhang mit einem Wachstum der Wirtschaft wird laut der statistischen Auswertung neuer Daten aus 105 Ländern weltweit zum größten Teil durch den Faktor "Bildung" erklärt.

In Ländern, in denen lediglich die Geburtenrate sank, das Bildungsniveau aber nicht anstieg, fiel demnach der wirtschaftliche Aufschwung weniger stark aus, als in Gesellschaften, in denen gleichzeitig auch stärker auf den Ausbau der Bildung gesetzt wurde. "Die neuen Erkenntnisse zeigen die entscheidende Rolle von Investitionen in allgemeine Bildung, wenn es darum geht, Länder aus der Armut zu führen", so der Vorstand des Wittgenstein-Instituts und Leiter des World Population-Programms des IIASA, Wolfgang Lutz.

Unter dem Dach des für die Studie verantwortlichen Instituts arbeiten das "Vienna Institute of Demography" der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das World Population Program des IIASA und das Forschungsinstitut Human Capital and Development der Wirtschaftsuniversität Wien zusammen.

science.ORF.at/APA

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