Standort: science.ORF.at / Meldung: "Eltern unterliegen der "Baby-Illusion""

Ein Baby ist von einem Maßband eingewickelt

Eltern unterliegen der "Baby-Illusion"

"Du bist plötzlich so groß geworden!" Diesen Satz sagen Eltern besonders oft zu ihrem Kind, wenn es kürzlich ein Geschwisterchen bekommen hat. Australische Psychologen erklären dieses Effekt nun damit, dass die Eltern bis zur Geburt des zweiten Kindes einer "Baby-Illusion" unterliegen.

Psychologie 17.12.2013

Bis zu diesem Zeitpunkt nehmen sie ihr älteres Kind durchschnittlich um 7,5 Zentimeter kleiner wahr, als es eigentlich schon ist, berichten Jordy Kaufman von der Swinburne University of Technology in Hawthorn (Australien). Ausschlaggebend dafür ist laut Studie nicht nur der Größenunterschied zwischen Baby und älterem Geschwisterkind.

Einmal Baby, immer Baby

Die Studie:

"Parental misperception of youngest child size" ist am 16. Dezember 2013 in "Current Biology" erschienen (DOI:10.1016/j.cub.2013.10.071).

Als ersten Schritt machte das Team eine Umfrage unter 747 Müttern, ob sie bei der Geburt ihres zweiten Kindes eine plötzliche Größenänderung beim älteren Kind wahrgenommen hätten. 70 Prozent bejahten diese Frage.

Daraufhin baten die Psychologen Mütter mit mehreren Kindern, die Größe ihres jüngsten Kindes zu schätzen, indem sie eine Markierung an der Wand anbrachten. Der Vergleich mit den realen Kindern zeigte, dass die Mütter ihrem Nachwuchs im Schnitt um 7,5 Zentimeter zu wenig Körpergröße zumaßen. Im Gegensatz dazu trafen die Schätzungen beim ältesten Kind fast genau zu.

"Wir nehmen unsere jüngsten Kinder offenbar nicht ihrem Alter und ihrer Größe entsprechend wahr, sondern halten am Bild des Babys fest", erklärt Jordy Kaufman in einer Aussendung der Universität. Diese Illusion werde erst durch die Geburt eines weiteren Kindes zerstört, was viele Eltern als plötzlichen Größensprung der älteren Tochter bzw. des älteren Sohnes empfinden. Für die Nesthäkchen bedeutet das aber: einmal Baby, immer Baby - zumindest, was die geschätzte Körpergröße angeht.

science.ORF.at

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