Standort: science.ORF.at / Meldung: "Zwei Österreich-Beiträge unter Top Ten 2013"

Querschnitt eines vollständigen Minihirns mit verschiedenen Gehirnregionen

Zwei Österreich-Beiträge unter Top Ten 2013

Kurz vor Jahresende hat das US-Journal "Science" wie üblich seine Liste der wichtigsten Entdeckungen veröffentlicht. Eine Arbeit von Wiener Forschern schaffte es heuer unter die Top Ten: die Herstellung menschlicher Minihirne aus Stammzellen. Auch an Erkenntnissen zur kosmischen Strahlung war ein österreichischer Wissenschaftler beteiligt.

Durchbrüche des Jahres 20.12.2013

Platz eins auf der von den Herausgebern des Fachmagazins veröffentlichten Liste geht an die Krebsimmuntherapie. Der Forschung seien Erfolge gelungen, von denen viele Menschen profitieren könnten. Die Strategie, an der seit Jahrzehnten geforscht wird, hat in diesem Jahr endlich ihr volles Potenzial gezeigt, begründeten die Herausgeber ihre Entscheidung: "Ein neues Kapitel der Krebsforschung und -behandlung hat begonnen."

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Bei der Krebsimmuntherapie steht nicht der Tumor im Vordergrund, sondern das Immunsystem. Die Methode soll Immunzellen dazu bringen, den Krebs zu bekämpfen. Sie ist aber bisher nur an wenigen Krebsarten und noch nicht ausgiebig getestet worden.

Künstliche Minigehirne

Querschnitt eines vollständigen Minihirns mit verschiedenen Regionen: Zellen (blau), neuronale Stammzellen (rot) und Neuronen (grün).

IMBA/ Madeline A. Lancaster

Querschnitt eines vollständigen Minihirns mit verschiedenen Regionen: Zellen (blau), neuronale Stammzellen (rot) und Neuronen (grün).

Neben der Immuntherapie wurden neun weitere Entdeckungen ausgewählt. Zu den bemerkenswerten Leistungen des Jahres zählen im Labor gezüchteten Minihirne. Forschern um Jürgen Knoblich vom Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie ist es gelungen, rund vier Millimeter große künstliche Minigehirne aus Stammzellen herzustellen. Die kleinen Modellsysteme könnten beispielsweise dazu beitragen, Entwicklungsstörungen des echten Gehirns zu untersuchen, ein selbst denkendes Organ zu entwickeln ist hingegen nicht geplant.

Auf ähnliche Weise könnten unterschiedliche Miniorgansysteme entstehen, die eines Tages möglicherweise weit besser zu Forschungszwecken benutzt werden könnten als Versuchstiere.

Warum wir schlafen

Aus dem Bereich der Hirnforschung stammt eine weitere der ausgewählten Entdeckungen, nämlich jene, dass das menschliche Gehirn sich im Schlaf selbst reinigt und repariert. Mit Experimenten an Mäusen wiesen Forscher nach, dass das Gehirn im Schlaf Kanäle zwischen Neuronen erweitert, so dass mehr Hirnflüssigkeit durchfließen kann. Das spreche dafür, so die Wissenschaftler, dass Sanierung und Reparatur mit zu den wichtigsten Gründen gehört, warum Menschen schlafen.

Ein Durchbruch wurde auch bei der Erforschung der unzähligen im Körper lebenden Mikroben erzielt. Es sei deutlich geworden, wie wichtig diese Minilebewesen für den Menschen sind. So könnten Darmbakterien etwa zu einer schweren Form von Mangelernährung beitragen. Die Medizin müsse die Mikroben eines Menschen künftig stärker in Behandlungen einbeziehen.

Unter den Durchbrüchen des Jahres findet sich auch eine neue Studie zum Klonen menschlicher Zellen. Den Forschern ist es demnach gelungen, menschliche Zellen zu klonen und in embryonale Stammzellen "umzuprogrammieren" zu gewinnen. Sie nutzten dafür eine Methode, die auch zum Klonschaf Dolly führte, wollen aber ausdrücklich keine Klonmenschen erschaffen. Für ihr umstrittenes Verfahren nutzten die Wissenschaftler eine koffeinhaltige Lösung. Die Arbeit war aufgrund von Fehlern aber nicht ganz unumstritten.

Kosmische Vermutung bewiesen

Auch die "CRISPR"-Struktur schaffte es auf die Liste der Top-Entdeckungen des Jahres. Mehr als ein Dutzend Forscherteams hätten die Entdeckung der Abschnitte sich wiederholender DNA dazu benutzt, das Genom von Pflanzen, Tieren und menschlichen Zellen zu verändern. Die Struktur werde inzwischen als ein Skalpell für die Manipulation einzelner Gene angesehen.

Lobende Erwähnung fand auch eine neue Technik, Gehirngewebe darzustellen. Die Methode, die das Gewebe durchsichtig erscheinen lässt, so dass Gehirnzellen deutlich zu sehen sind, hat "die Art und Weise, wie Forscher dieses komplexe Organ betrachten, verändert", schreiben die "Science"-Herausgeber.

Mit auf die Liste schaffte es eine neue Zutat für eine Impfung, die eine Kinderkrankheit effektiv bekämpft, und außerdem ein neues Material für Solarzellen, das sie günstiger und einfacher herstellbar macht.

Auch eine Entdeckung aus der Astronomie findet sich unter den Top-Ten. Ein Team unter Beteiligung von Olaf Reimer von der Uni Innsbruck hat 2013 erstmals die bereits seit Jahrzehnten bestehende Vermutung bewiesen, dass kosmische Strahlung aus dem Staub von explodierenden Sternen entstehen kann.

science.ORF.at/dpa

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