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Ausschnitt eines steinzeitlichen Kiefers, dessen Zähne Züge von Karies tragen

Karies seit der Steinzeit

Karies hat schon vor 15.000 Jahren häufig Zähne zerstört: Dies zeigen Funde einer Jäger-und-Sammler-Gesellschaft im Osten des heutigen Marokko. Mehr als jeder zweite Zahn von Erwachsenen hatte mindestens ein Loch, berichten Anthropologen in einer neuen Studie.

Anthropologie 07.01.2014

Das Team um Louise Humphrey vom Naturkundemuseum in London hatte 52 Gebisse untersucht. Normalerweise hatten Jäger und Sammler nur sehr selten Karies gehabt. Aber die Menschen in Nordafrika hätten sich vor allem von Eicheln und Pinienkernen ernährt, schreiben die Forscher.

Die Studie:

"Earliest evidence for caries and exploitation of starchy plant foods in Pleistocene hunter-gatherers from Morocco" von Louise Humphrey und Kollegen ist am 7. 1. 2014 in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften erschienen.

Diese enthalten den Angaben zufolge besonders viele Kohlenhydrate und sorgen für Beläge auf den Zähnen, die zu Karies führen. Deswegen sei die Zahnfäule so häufig gewesen wie in modernen industrialisierten Bevölkerungsgruppen, bei denen viel raffinierter Zucker und verarbeitetes Getreide Zähne kaputt macht.

Rekord bei Jägern und Sammlern

Die Überreste der Kieferknochen und Zähne gehören zur Kultur der Iberomaurusien, die in der Mittel- und Spätsteinzeit in Nordafrika gelebt hatte. 51 Prozent der Zähne hatten der Studie zufolge Löcher. Nur drei von 52 Erwachsenen, die in einer Höhle in Taforalt im Osten Marokkos gefunden worden waren, wiesen keine Anzeichen für Karies auf.

Eines der gefundenen Oberkiefer mit Spuren von Karies

Isabelle De Groote

Eines der gefundenen Oberkiefer mit Spuren von Karies

Nach früheren Studien waren zwei bis 48 Prozent der Menschen, die Ackerbau betrieben, von Karies betroffen. Bei Jägern und Sammlern hatten höchstens 14 Prozent faule Zähne.

Karies entsteht, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: Man isst viel Stärke und Zucker, auf den Zähnen bilden sich Beläge und diese werden nicht regelmäßig gründlich weggeputzt, der Speichel enthält die Bakterien Streptococcus mutans. Diese Bakterien ernähren sich von den Kohlenhydraten des Zahnbelags. Dabei entstehen Säuren, die den Zahnschmelz auflösen. Es entsteht ein Loch, das immer weiter in den Zahn vordringen kann.

Eicheln und Pinienkerne als Verursacher

Dass ausgerechnet die Menschen der Iberomaurusien-Kultur so viel Karies hatten wie der moderne Mensch, hat den Forschern zufolge mehrere Gründe. Sie waren wohl keine typischen Jäger und Sammler mehr. So fanden die Forscher an der Ausgrabungsstätte Gefäße mit größeren Pflanzenresten wie Eichel-Kappen und Pinienkernen.

Diese Funde sind zwischen rund 15.000 und 13.700 Jahre alt. Eicheln und Pinienkerne sind reich an Kohlenhydraten, die von Kariesbakterien zersetzt werden können.

Außerdem hätten die Menschen der Iberomaurusien-Kultur besonders häufig Schnecken gegessen. "Auch wenn diese nicht als Karies verursachend bekannt sind, so können Schleifpartikel von den Schnecken dazu beigetragen haben, dass die Zähne abgenutzt wurden", schrieben die Forscher. In den Kratzern konnte Karies besonders gut entstehen.

science.ORF.at/dpa

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