Standort: science.ORF.at / Meldung: "Verlust von Raubtieren gefährdet Ökosysteme"

Ein Leopard glotzt in die Kamera

Verlust von Raubtieren gefährdet Ökosysteme

Fast überall auf der Welt sind Löwen, Leoparden, Wölfe und andere große Raubtiere vom Aussterben bedroht. Das wirkt sich stark auf die Ökosysteme insgesamt aus, schreiben Forscher in einer neuen Studie - etwa auf die Vielfalt anderer Arten, auf Vegetation, Landwirtschaft und sogar auf den Klimawandel.

Artenvielfalt 10.01.2014

Um die Ausrottung der großen Räuber und die damit einhergehenden Folgen zu verhindern, regen die Wissenschaftler eine globale Initiative zum Schutz der Tiere an.

61 Prozent der 31 größten Raubtiere sind in der Roten Liste der bedrohten Arten als gefährdet eingestuft, schreiben die Forscher um William Ripple von der Oregon State University. Die Populationen von 75 Prozent dieser Arten schrumpften, ebenso wie ihre Lebensräume.

Die Studie:

"Status and Ecological Effects of the World's Largest Carnivores" von William Ripple und Kollegen ist am 9.1.2014 in "Science" erschienen.

Video:

Auswirkungen auf weitere Tiergruppen

Um die Situation konkreter zu erfassen, konzentrierten sich die Forscher auf sieben Großräuber: Löwe, Dingo, Puma, Leopard, Luchs, Wolf und Seeotter. Aus verfügbaren Daten ermittelten sie, wie sich ein Verschwinden der Tiere auf ihre jeweiligen Ökosysteme auswirkt.

Meist seien die Folgen weithin spür- und sichtbar, berichten sie. So seien in Westafrika mit dem Rückgang von Löwen und Leoparden die Bestände der Anubispaviane stark angewachsen. Daraufhin schrumpften die Populationen kleiner Paarhufer und Primaten, die von Pavianen gefressen werden.

Außerdem bedrohten Pavianhorden Farmtiere und machten sich über Feldfrüchte her. In den Gewässern von Südost-Alaska führte der Rückgang von Seeottern zu einem starken Anstieg der Zahl von Seeigeln, die dann die Kelpwälder abweideten, schreiben die Forscher.

Erholungen sind möglich

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 10.1. um 13:55.

Ähnliches lasse sich beim Verschwinden von Wölfen in vielen Erdregionen beobachten: Die Zahl von Elchen und anderen Hirschen, die viele Pflanzen fressen, steigt infolgedessen an. Der Rückzug der Vegetation wirkt sich wiederum auf Vögel oder kleinere Säugetiere in dem Ökosystem aus.

Ein Wolf im Yellowstone-Nationalpark

Dough McLaughlin

Ein Wolf im Yellowstone-Nationalpark

Zumindest in einigen Fällen seien die Veränderungen umkehrbar, berichten die Forscher. Im Yellowstone-Nationalpark hätten sich einige Bereiche nach der Wiedereinführung der Wölfe rasch erholt. "Ich bin beeindruckt, wie widerstandsfähig das Yellowstone-Ökosystem ist", kommentiert Ripple. "Es passiert nicht überall schnell, aber an einigen Stellen hat der Erholungsprozesse begonnen."

Neue Initiative zum Schutz der Tiere

Neben dem Klimawandel sei das Verschwinden der großen Raubtiere einer der bedeutendsten Einflüsse des Menschen auf die Natur - allerdings ohne vergleichbare Beachtung der Öffentlichkeit zu finden. Daher schlagen die Forscher eine globale Initiative zum Schutz der Tiere vor. Ein Ziel davon sei, Akzeptanz und Toleranz der Menschen für die großen Raubtiere zu gewinnen. Vorbild könnte die europäische Initiative LCIE sein.

"Wir sagen, dass diese Tiere ein Recht haben zu leben, aber sie haben auch einen ökonomischen und ökologischen Wert, den Menschen schätzen", betont Ripple. Allein dem Yellowstone-Nationalpark bringe der Wolf-Tourismus jährlich 22 bis 48 Millionen US-Dollar, betonen die Wissenschaftler.

Selbst auf den Klimawandel hätten große Raubtiere in einigen Ökosystemen positiven Einfluss: Sie halten Pflanzenfresser in Schach, so dass die Vegetation besser gedeihen und Kohlendioxid einlagern kann.

Erst kürzlich hatte der WWF den afrikanischen Löwen zu den Verlierern des Jahres 2013 gezählt. Demnach leben derzeit in freier Wildbahn etwa 32.000 Tiere, rund 30 Prozent weniger als vor 20 Jahren und auf nur mehr einem Fünftel des ursprünglichen Verbreitungsgebiets.

science.ORF.at/APA/dpa

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