Standort: science.ORF.at / Meldung: "Antarktis-Gletscher schmilzt unaufhaltbar"

Die sonne scheint auf ein Eisfeld

Antarktis-Gletscher schmilzt unaufhaltbar

Sein Schmelzen ist unaufhaltbar und die Folgen für das Ansteigen der Weltmeere können enorm sein: Der Pine Island-Gletscher in der Antarktis wird einer am Sonntag veröffentlichten Studie zufolge immer kleiner. Eine österreichische Gletscherforscherin warnt aber vor vorschnellen Schlussfolgerungen.

Klimawandel 13.01.2014

Ein Team um den Glaziologen Gaël Durand von der Universität Grenoble erwartet, dass der schrumpfende Gletscher das Meeresniveau in zwanzig Jahren um bis zu einen Zentimeter ansteigen lassen könne. Die "Abnahme" des Gletschers sei "irreversibel".

Die Studie:

"Retreat of Pine Island Glacier controlled by marine ice-sheet instability" von Gaël Durand und Kolleginnen ist am 12. 1. 2013 in "Nature Climate Change" erschienen.

Links:

Andrea Fischer in science.ORF.at:

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 13.1., 13:55 Uhr.

Der Pine Island-Gletscher befindet sich im Westen der Antarktis. Seit Beginn des Jahrtausends sei er rund zehn Kilometer kürzer geworden, schreiben die Forscher vom Institut für Gletscherforschung und Geophysik. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Schmelze beschleunigt. Im Durchschnitt seien in den Jahren von 1992 bis 2011 pro Jahr 20 Milliarden Tonnen Eis geschmolzen. Insgesamt habe die westliche Antarktis-Eisdecke dadurch bis heute rund 20 Prozent abgenommen.

Es müsse damit gerechnet werden, dass der jährliche Verlust auf bis zu 100 Milliarden Tonnen anwachse, heißt es in der Studie. Die Menge entspreche den Berechnungen zufolge einem durchschnittlichen Anstieg der Meeresspiegel um je 3,5 bis 10 Millimeter in den kommenden 20 Jahren. Im Jahr 2010 stieg der weltweite Meeresspiegel um 3,2 Millimeter. Er lag damit um fast das Doppelte über dem Niveau von vor rund zwei Jahrzehnten.

Symptom des Klimawandels - oder doch nicht?

Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften warnt davor, die aktuelle Studie nur in Richtung Klimawandel zu interpretieren. Um zu wirklich haltbaren Aussagen zu kommen, müsse das Verhalten des Pine Island Gletschers über viel längere Zeiträume beobachtet werden: "Die nun vorliegende Studie bezieht sich auf einen Zeitraum von 40 Jahren. Das ist zu wenig, um den Lebenszyklus eines so großen Gletschers zu erfassen. Da gehören unbedingt noch die Ergebnisse aus Bohrkernanalysen dazu."

Es sei ein viel diskutiertes Thema, welche Veränderungen an Gletschern tatsächlich vom Klimawandel verursacht werden und welche zur normalen Entwicklung gehören: Ein vergleichbarer Gletschertyp am Festland von Island etwa baue über 80 Jahre Masse auf, um sie dann ins Meer zu schieben und von Neuem anzulagern, so Fischer. Es könnte sich demnach auch um eine periodisch auftretende Ausdünnung handeln.

Auch der Zusammenhang mit Meeresströmungen und dem Wetter im Inneren der Antarktis müsse noch genauer erfasst werden. Eine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem Klimawandel hat die Forschung laut Gletscherforscherin Andrea Fischer noch nicht zu bieten.

science.ORF.at/APA/AFP

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