Standort: science.ORF.at / Meldung: "Raumsonde "Rosetta" ist wach"

Rosetta im Anflug zum Kometen Tschurjomow-Gerasimenko

Raumsonde "Rosetta" ist wach

Die erste Landung Europas mit einem Minilabor auf einem Kometen rückt näher. Nach einem energiesparenden Tiefschlaf von 957 Tagen ist die Raumsonde "Rosetta" nun wieder aktiv.

Kosmos 20.01.2014

Das Kontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) hat um 19.17 Uhr in Darmstadt das entscheidende Signal erhalten, dass die Sonde wieder wach ist.

Der Orbiter befindet sich auf dem Weg zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Seine Landeeinheit "Philae" soll im November 2014 erstmals überhaupt auf einem Kometen landen und dort Experimente durchführen.

Rosetta-Lander Philae auf der Oberfläche des Kometen Tschurjomow-Gerasimenko

ESA/ATG medialab

Künstlerische Darstellung: Lander "Philae"

Die Raumsonde wurde bereits Montagvormittag (11.00 Uhr MEZ) aus dem "Tiefschlafmodus" geholt - die ersten Funksignale der Sonde wurden heute ab 18.45 Uhr (MEZ) erwartet. "Wir wissen jetzt, dass 'Rosetta' wirklich aufgewacht ist, dass sie die Dreh- und Rollmanöver richtig gemacht hat, zur Erde ausgerichtet ist und sendefähig ist", erklärte Wolfgang Baumjohann, Leiter des Grazer Instituts für Weltraumforschung (IWF).

Das IWF ist mit fünf Instrumenten an der Mission beteiligt. "Wir können nicht alles planen. Deshalb bleibt es spannend bis zum Schluss", schilderte Mark Bentley, Principal Investigator für das MIDAS-Instrument - ein Rasterkraftmikroskop an Bord von 'Rosetta', das auf einige Nanometer genau die Struktur der vom Kometen freigesetzten Staubteilchen messen soll.

Neun Millionen Kilometer bis zum Ziel

"Rosetta" war am 2. März 2004 ins All gestartet. Mittlerweile hat sie schon 800 Millionen Kilometer zurückgelegt. Bis zum Zielort 67P/ Tschurjumow-Gerassimenko hat sie noch neun Millionen Kilometer vor sich. Die Landeeinheit sollte laut ESA-Planung am 11. November dieses Jahres am Kometen aufsetzen. Das Gros der Experimente sollte beginnen, sobald "Philae" gut verankert ist, und wird bis etwa März 2015 andauern.

"Rosetta" gehört zu den herausforderndsten Missionen des Weltraums", sagte der ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, Thomas Reiter. Die Mission soll Daten zur Entstehung unseres Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahre liefern. "Das ist ein neuer Schritt", meinte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.

Kometen führen wie ein riesiger Kühlschrank Material aus der Urgeschichte in gefrorenem Zustand mit sich. "Sie besitzen die Materie von der Entstehung des Sonnensystems", beschrieb Reiter ihre Bedeutung. "Damit charakterisieren sie die Geschichte unserer Erde", sagte ESA-Flugdirektor Paolo Ferri.

Die Mission der Raumsonde "Rosetta" wird von zahlreichen Experimenten "Made in Austria" bzw. mit österreichischer Beteiligung unterstützt. So ist österreichisches Equipment an der Untersuchung des Staubs und der Magnetfelder des Kometen beteiligt und findet sich auch in einigen Instrumenten der Landeeinheit.

science.ORF.at/dpa/APA

Mehr zu diesem Thema: