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Patient im Krankenbett

Blutsparen hilft auch Patienten

In Österreichs Spitälern werden immer noch deutlich mehr Bluttransfusionen vorgenommen, als notwendig wäre, wie eine aktuelle Studie zeigt. Dabei hätte ein niedriger Blutverbrauch nur Vorteile: für die Patienten ebenso wie für das Krankenhausbudget.

Medizin 22.01.2014

Linzer Spital ...

Statt 14.000 nur mehr 6.000 Blut-Transfusionen pro Jahr. Das allgemeine Krankenhaus in Linz zeigt, wie viel Blut einzusparen wäre. Der Anästhesist und Intensivmediziner Hans Gombotz sagt: "Wir haben das 'patient blood management' vor vier, fünf Jahren eingeführt. Dadurch hat sich ein Kulturwandel ereignet - die Transfusionsrate ist um fast 70 Prozent gesunken."

In einer ersten Studie vor einigen Jahren hat Hans Gombotz mit anderen Medizinern und Wissenschaftlern aufgezeigt, wie und wie viel Bluttransfusionen vermeidbar wären, wenn gewisse Richtlinien beachtet werden. Indem etwa Blutarmut vor Standardoperationen behandelt, sorgsam operiert und weniger schnell transfundiert wird.

In einer nun vorliegenden Nachfolgestudie - durchgeführt mit dem Austrian Institute of Technology - zeigt sich: Einige der 18 untersuchten Spitäler halten sich daran.

Ö1 Sendungshinweis:

Über das Thema berichteten auch die Ö1 Journale, 22.1., 12:00 Uhr.

... als Vorbild ...

"50 Prozent der Krankenhäuser haben den Verbrauch reduziert. Einige davon - vielleicht zwei, drei, die dramatisch niedrig geworden sind - sind auch mit internationalen Häusern vergleichbar", sagt der Studienautor.

Vor allem bei Knie- und Hüft-Operationen gibt es eine positive Entwicklung, hier sei um ein Drittel weniger transfundiert worden als noch vor einigen Jahren. Hans Gombotz sagt aber, wenn man das empfohlene Blut-Management konsequent verfolge, seien in diesem Bereich gar keine Bluttransfusionen mehr notwendig.

... zum Nutzen der Patienten

Weniger Bluttransfusionen und damit Konserven helfen Kosten sparen, sagt der Intensivmediziner. Weniger Bluttransfusionen nützen aber vor allem den Patienten, denn die Mortalität sei deutlich geringer, auch die Gefahr von Komplikationen sinke drastisch.

"Wir wissen aus der Fachliteratur, etwa aus Australien, dass eine Konserve mit einem halben Tag längeren Krankenhausaufenthalt und mit etwa 1.000 australischen Dollar zusätzlichen Kosten verbunden ist, weil der Krankheitsverlauf durch die Bluttransfusion beeinträchtigt wird. Wir rechnen damit, dass es bei vier Prozent der Patienten zu bleibenden Komplikationen kommt. Infektionen, Lungenentzündung, Nierenversagen, Herzinfarkte, die letztendlich auch zum Tod des Patienten führen können."

International beachtet

Weniger Transfusionen wirken, das zeige sich ganz klar, sagt Hans Gombotz. Das sehe mittlerweile auch die Weltgesundheitsorganisation WHO so, die das "patient blood management" empfehle.

"Dieses Konzept wurde mit den Ergebnissen der österreichischen Benchmark-Studie gemeinsam mit Australiern und Amerikanern entwickelt und macht nun einen Siegeszug um die Welt. In Amerika wurde es bereits in hunderten Krankenhäusern umgesetzt, in Australien sogar flächendeckend. Das Konzeopt ist auch in den Niederlanden Standard, nur in Österreich hat man die Krankenhäuser allein gelassen. Zumindest einige Krankenhausgesellschaften versuchen es auch hierzulande umzusetzen. Das Ganze wäre eine Win-Win-Situation: Der Krankheitsverlauf bessert sich und die Kosten sinken dramatisch."

Andreas Jölli, Ö1 Wissenschaft

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