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Kleinplanet Ceres aus Sicht des Hubble Space Telescope

Ceres: Mehr Süßwasser als auf der Erde

Wasserfunde auf fremden Himmelskörpern lassen Astronomen stets aufhorchen, gilt das flüssige Element doch als Grundlage für Leben. Der Kleinplanet Ceres verfügt laut neuesten Erkenntnissen über mehr Süßwasser als die Erde.

Astronomie 23.01.2014

Ceres ist mit fast 1.000 Kilometern Durchmesser der größte Himmelskörper im Asteroidengürtel - und der einzige kugelförmige, weswegen er als Kleinplanet geführt wird.

"Ceres ist für uns so interessant, weil er den eisbedeckten Monden der Gasplaneten im äußeren Sonnensystem ähnelt", erzählt Jennifer Rocca, die Flugdirektorin für die "Dawn"-Mission bei der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA. Genau wie beispielsweise der Jupitermond Europa habe wahrscheinlich auch Ceres einen flüssigen Ozean unter seinem Eispanzer, so die US-Wissenschaftlerin. Die Raumsonde soll den Kleinplaneten im nächsten Jahr erreichen und dann vor allem seinen inneren Aufbau unter die Lupe nehmen.

Modell: Schnitt legt da Innere von Ceres frei

NASA

Die innere Struktur von Ceres

"Ceres dürfte über eine Unmenge an flüssigem Wasser verfügen", glaubt Chris Russell, der Chefwissenschaftler von "Dawn". "Anhand unserer Messungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop vermuten wir, dass sein felsiger Kern von einem fast 100 Kilometer dicken Ozean bedeckt ist." Das wäre mehr Süßwasser als auf dem gesamten Planeten Erde.

Mit dem europäischen Himmelsfernrohr Herschel konnten Astronomen nun auch Geysire nachweisen. Sie bilden sich, wenn das Eis auf oder unter der Oberfläche erwärmt wird und dann unmittelbar in einen gasförmigen Zustand übergeht, in Wasserdampf also.

Eine Welt aus Feuer und Eis

Ceres verfügt wahrscheinlich über eine innere Wärmequelle, die dafür sorgt, dass das Wasser unter dem Eispanzer stets flüssig bleibt. Der Kleinplanet hat eine sehr geringe Dichte, kann also kein reiner Gesteinsbrocken sein, sondern muss zu etwa einem Drittel aus Wasser bestehen. Für die Wärmezufuhr kommt radioaktives Material im Kern des Himmelskörpers infrage, das die über ihm liegende Eisschicht aufheizt.

Montage: Ceres, Mond und Erde im Vergleich

NASA

Größenvergleich: Ceres (links unten), Mond und Erde

Auch das im Wasser gelöste Ammoniak dürfte dafür sorgen, dass der Gefrierpunkt des Wassers auf bis zu minus 100 Grad Celsius heruntergesetzt wird, es also länger flüssig bleibt. Auf dem Eis schließlich liegt eine Schicht aus Staub und Gestein. Auch aktiver Vulkanismus auf Ceres könnte dafür sorgen, dass das gefrorene Wasser schmilzt und als Pfützen oder Geysire an die Oberfläche des Kleinplaneten tritt.

Der italienische Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space plant derzeit bereits eine Nachfolgemission für "Dawn". Sie wird Ceres nicht nur umkreisen, sondern auf ihm landen und an Ort und Stelle untersuchen. Außerdem soll sie einen kleinen Rover absetzen, der Ceres mobil erkundet.

Kleinplanet mit Migrationshintergrund?

Gut möglich, dass dann eine weitere Überraschung bevorsteht, die von US-amerikanischen Astronomen bereits diskutiert wird: Die geringe Dichte von Ceres und das Vorhandensein von Ammoniak rücken ihn eher in die Nähe anderer Kleinplaneten am Rande des Sonnensystems.

Die übrigen Gesteinsbrocken im Asteroidengürtel verfügen über einen anderen Aufbau; Objekte im Kuiper-Gürtel jedoch - wie Pluto - sind ähnlich zusammengesetzt wie Ceres. Könnte Ceres also vom äußeren Sonnensystem inwärts gewandert sein?

Weil Wasser zumindest theoretisch die Möglichkeit für Leben beinhaltet, musste die NASA die Flugbahn ihrer Sonde "Dawn" ändern. Ursprünglich sollte sie tiefer über Ceres fliegen und am Ende sogar auf ihn stürzen. Da es aber auf Ceres vielleicht organische Moleküle geben könnte, will die NASA diese möglicherweise bewohnbare Welt nicht mit Objekten von der Erde kontaminieren.

Guido Meyer, science.ORF.at

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