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Mensch mit jungem Makaken auf der Schulter

Mensch und Affe - doch nicht so verschieden

Das menschliche Gehirn ist einzigartig - und doch auch wieder nicht. In einer Region, die unter anderem mit Sprache und komplexen Gedankenprozessen in Verbindung steht, ähneln einander grundlegende Strukturen und Verknüpfungen bei Menschen und Makaken einer Studie zufolge erheblich.

Vergleich 29.01.2014

Laut den Forschern um Franz-Xaver Neubert von der University of Oxford interagieren einzelne Bereiche allerdings anders miteinander, und mindestens ein Bereich sei beim Menschen neu hinzugekommen.

Viele Gemeinsamkeiten

Die Studie im "Neuron":

"Comparison of Human Ventral Frontal Cortex Areas for Cognitive Control and Language with Areas in Monkey Frontal Cortex" von Franz-Xaver Neubert et al., erschienen am 28. Jänner 2014.

Die Wissenschaftler haben die Gehirne von 25 Menschen und 25 Makaken in Magnetresonanztomographen untersucht. Sie konzentrierten sich dabei auf den sogenannten ventrolateralen frontalen Kortex (vLFC). Beim Menschen ist dieser Bereich wichtig für die Verarbeitung von Sprache, für Entscheidungsfindungen und andere komplexe kognitive Prozesse.

"Einige Experten hatten argumentiert, dass der Mensch einen völlig neuen neuralen Apparat aufstellen musste, um diese Fähigkeiten zu entwickeln", erläuterte Neubert. "Andere sind jedoch der Ansicht, dass Vorläufer dieser spezialisierten Hirnbereiche auch schon in anderen Primaten angelegt waren."

Die Forscher fanden nun zum Beispiel, dass die funktionelle Verknüpfung einzelner Bereiche in der Region sehr ähnlich ist - obwohl die Makaken bekanntermaßen nicht sprechen. Bei der Entwicklung der Sprachen seien möglicherweise bereits etablierte neuronale Prozesse in einem neuen Zusammenhang eingesetzt worden, schreiben die Forscher.

Einzigartige Region

Deutliche Unterschiede fanden die Wissenschaftler bei der Verschaltung der meisten Bereiche des vLFC mit Hirnregionen, die beim Hören eine wichtige Rolle spielen. "Dies könnte erklären, warum Affen bei einigen Höraufgaben so schlecht abschneiden und könnte darauf hindeuten, dass wir Menschen gehörte Informationen anders nutzen, wenn wir Entscheidungen treffen", sagte Neubert.

Für eine Region des menschlichen Gehirns fanden die Wissenschaftler überhaupt keine Entsprechung im Makaken-Gehirn. Diese Region sei an strategischen Planungen und am Multitasking beteiligt. Einige Regionen wiederum, die bei beiden Arten zu finden waren, spielen eine Rolle bei psychiatrischen Erkrankungen des Menschen wie ADHS oder Zwangserkrankungen.

science.ORF.at/APA/dpa

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