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Eisberg im Meer

"Titanic-Gletscher" bricht Temporekord

Jakobshavn Isbrä gilt als der schnellste Eisstrom der Welt. Laut einer aktuellen Studie befördert der grönländische Gletscher sein Eis nun in neuem Rekordtempo ins Meer. Ursache dafür ist vermutlich der Klimawandel.

Grönland 03.02.2014

Vor etwas mehr als 100 Jahren stand Jakobshavn Isbrä bereits im medialen Rampenlicht. Von ihm stammen jene Eismassen, die der "RMS Titanic" zum Verhängnis wurden. Das Passagierschiff kollidierte 1912 südöstlich von Neufundland mit einem Eisberg und sank innerhalb von zweieinhalb Stunden. Bei der Katastrophe kamen 1.500 Menschen ums Leben.

Nun schickt sich Jakobshavn Isbrä erneut an, in die Geschichte einzugreifen, wenngleich diesmal in anderer, nämlich klimatologischer Hinsicht. Dass der Gletscher mit weltweit einzigartiger Geschwindigkeit in das Ilulissat-Eisfjord an der Westküste Grönlands kalbt, wusste man schon bisher. Doch die Bewegungen scheinen sich einer neuen Studie zufolge zusätzlich zu beschleunigen.

Geschwindigkeit: 46 Meter pro Tag

Die Studie:

"Further summer speedup of Jakobshavn Isbræ" von Ian Joughin und Kollegen ist am 3.2.2014 in "The Cryosphere" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 4.2., 13:55 Uhr.

Vom Gletscher Jakobshavn Isbræ stammender Eisberg an der Westküste Grönlands

Ian Joughin, PSC/APL/UW

Eisberg des Gletschers Jakobshavn Isbrä an der Westküste Grönlands

Wie Forscher aus Deutschland und den USA im Fachblatt "The Cryosphere" schreiben, bewegen sich die Eismassen mittlerweile viermal so schnell wie in den 1990er Jahren. Den Analysen zufolge haben sie im Sommer 2012 ein Tempo von 17 Kilometer pro Jahr bzw. 46 Meter pro Tag erreicht. Dieser Rekordwert gilt allerdings nur für die warmen Monate. Im Winter lässt es Jakobshavn Isbrä aufgrund der niedrigeren Temperaturen deutlich gemächlicher angehen.

Gleichwohl hat der rund 80 Kilometer lange Gletscher direkten und messbaren Einfluss auf den globalen Wasserhaushalt. "Zwischen 2000 und 2010 hat er allein das Niveau der Weltmeere um einen Millimeter gehoben", sagt Studienleiter Ian Joughin vom Polar Science Center der University of Washington. "Angesichts der zunehmenden Geschwindigkeiten wird es im nächsten Jahrzehnt noch ein bisschen mehr sein."

Satellitenbilder zeigen auch: Die Kalbungsfront - jene Zone des Gletschers, die Eis an das umliegende Meer abgibt, hat sich in den letzten Jahren zurückgezogen. 2012 und 2013 ist sie rund einen Kilometer landeinwärts gewandert.

Das ist laut Studie die Ursache für die nunmehr festgestellten Rekorde: Denn Jakobshavn Isbrä verliert in jenem Bereich Volumen, der den Eisfluss ins Meer zurückhält. Ein Trend, der sich angesichts der globalen Erwärmung nicht so schnell umkehren wird. Bis Ende des Jahrhunderts könnte sich die Kalbungsfront um weitere 50 Kilometer zurückziehen.

Robert Czepel, science.ORF.at

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