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Angelina Jolie

Schöne Gesichter werden leichter vergessen

Ein schönes Gesicht allein reicht nicht, um dauerhaft in Erinnerung zu bleiben. Ohne zusätzliche auffällige Merkmale hinterlassen attraktive Gesichter im Gedächtnis weniger ausgeprägte Eindrücke als unattraktive, berichten deutsche Psychologen.

Psychologie 04.02.2014

Die Ergebnisse hätten sie selbst überrascht, so die Forscher. "Bisher gingen wir davon aus, dass es generell leichter sei, sich als attraktiv empfundene Gesichter einzuprägen - einfach weil wir schöne Gesichter lieber betrachten", sagt der Psychologe Holger Wiese von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Die Studie:

"Effects of attractiveness on face memory separated from distinctiveness: Evidence from event-related brain potentials" von Holger Wiese und Kollegen ist in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Neuropsychologia" erschienen.

Es sei davon auszugehen, dass bei attraktiven Gesichtern der Lernprozess durch emotionale Einflüsse gestört werde, die ein Wiedererkennen erschwerten. Dafür sprechen die Befunde aus EEG-Aufnahmen während der Gedächtnistests der Studienteilnehmer.

Falsche Erinnerungen

Die Psychologen hatten Testpersonen jeweils für wenige Sekunden Fotos von gleichermaßen markanten Gesichtern gezeigt, die je zur Hälfte als eher attraktiv oder eher unattraktiv eingestuft wurden. In einer zweiten Runde wurden den Probanden dann erneut Gesichter gezeigt und nach dem Wiedererkennen gefragt. Bei attraktiven Gesichtern gab es deutlich mehr falsch-positive Ergebnisse.

"Offensichtlich neigen wir gelegentlich dazu zu glauben, dass wir ein Gesicht wiedererkennen, einfach weil wir es attraktiv finden", erklärt Wiese. Wenn eine Schauspielerin wie Angelina Jolie weltweit als Inbegriff weiblicher Attraktivität gelte, sei das kein Wunder.

Neben bloßer Schönheit garantierten besondere Merkmale wie große Augen und volle Lippen dabei einen hohen Wiedererkennungswert: "An solche Gesichter erinnern wir uns ziemlich gut". Wie er mit seinen Kollegen jetzt in der aktuellen Studie gezeigt hat, lässt sich das aber nicht generell für attraktive Menschen sagen.

science.ORF.at/dpa

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