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Kümtlerische Darstellung: Sonde mit beim Jupiter, die Jupitermond erforscht.

Eismond Ganymed soll erforscht werden

Der größte Mond unseres Sonnensystems - der Jupitermond Ganymed - stellt für Wissenschaftler eine Herausforderung dar. Und zwar nicht wegen seiner Größe, sondern wegen seiner reichhaltigen Wasservorkommen. Europa bereitet derzeit eine Raumsonde vor, zu der auch Österreich Instrumente beisteuern wird.

Astronomie 06.02.2014

Im kalifornischen Pasadena treffen sich in dieser Woche Wissenschaftler aus Europa und den USA, um sich über die kältesten Orte unseres Sonnensystems auszutauschen. Gemeint sind die sogenannten Eismonde der Planeten Saturn, Jupiter und Neptun. Der größte unter ihnen, Ganymed, soll demnächst Besuch von der Erde bekommen. Im Mittelpunkt der Erforschung vor Ort soll dann ein möglicher Wasserozean auf diesem riesigen Mond Jupiters stehen.

Die Tagung:

The Habitability of Icy Worlds, in Pasadena/Kalifornien

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell am 6.2., 13:55 Uhr

Ganymed ist so groß, dass das einfache Fernrohr Galileo Galileis im Jahr 1610 für seine Entdeckung ausreichte. Dieser Mond ist sogar größer als der Planet Merkur. Was ihn aber erst so richtig interessant macht, ist sein Aufbau: "Auffallend bei diesem Himmelskörper ist sein hoher Anteil von Wasser", findet Olivier Grasset von der Abteilung für Planetologie und Geodynamik der Universität von Nantes.

"Wir glauben immer, dass die Erde mit ihren großen Ozeanen so wasserreich sei." Tatsächlich aber mache Wasser weniger als 0,1 Prozent der Erdmasse aus. Ganymed hingegen besteht zu rund 50 Prozent aus Wasser. "Wir reden hier von einem der größten Wasservorkommen im gesamten Sonnensystem!", so der französische Planetenwissenschaftler.

Brei im All

Beim Stichwort Wasser bekommen Astrobiologen stets leuchtende Augen. Denn Wasser gilt als Grundlage für Leben. Wenngleich das meiste davon als Eis vorliegt, gehen Geologen doch von einem flüssigen Ozean von 100 bis 150 Kilometer Dicke aus. Dieser Ozean wäre eingepfercht zwischen einer Eisdecke oberhalb und einem Mantel aus Eis unterhalb, der wiederum einen festen Kern umhüllt.

Bei diesem Eismantel dürfte es sich jedoch nicht um herkömmliches Wassereis handeln, sondern um einen exotischen Mix. Das Gewicht der darüber liegenden flüssigen Wassermassen sorgt wahrscheinlich dafür, dass der Mantel einen Mischzustand aus flüssig und "halbgefroren" einnimmt, der in dieser Form auf der Erde nicht vorkommt. Das Wasser wird von oben zusammengepresst, bleibt dabei aber flüssig. "Mush" nennen die US-Wissenschaftler in Pasadena diesen Zustand, der sich mit "breiähnlich" übersetzen lässt.

Austro-Beitrag - in acht Jahren

Das Institut für Weltraumwissenschaften der österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz wird im kommenden Jahrzehnt mit gleich drei Experimenten an Bord der Sonde JUICE vertreten sein, dem JUpiter ICy Moons Explorer.

"JUICE wird Jupiter selbst sowie seine Eismonde Europa und Callisto untersuchen, bevor sie in eine Umlaufbahn um Ganymed eintreten und letztlich auf ihn stürzen wird", erklärt Robert Pappalardo vom Jet Propulsion Laboratory der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA in Pasadena.

Eine mögliche Kontaminierung dieser lebensfreundlichen Welt mit irdischen Bakterien sei dabei nicht zu befürchten, da es keinen Austausch zwischen den flüssigen und den festen Schichten des Mondes gibt. Denn im Gegensatz zu den Eismonden Enceladus und Europa speien auf Ganymed keine Geysire Wasser oder Wasserdampf aus dem Innern in das All. Europas Weltraumagentur ESA wähnt sich mit JUICE also auf der sicheren Seite. Geplanter Start der Sonde in die Eiswelten unseres Sonnensystems soll in acht Jahren sein.

Guido Meyer, science.ORF.at

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