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Geldscheine und Münzen

Geldgewinn macht konservativ

Geld verdirbt den Charakter, heißt es oft. Das ist einer aktuellen Studie zufolge nicht ganz korrekt. Demnach macht ein Gewinn Menschen extrem konservativ und unsolidarisch. Die Wissenschaftler haben britische Lottospieler untersucht. Das Resultat: Zuvor eher "linke" Lottospieler werden im Glück "stockkonservativ".

Psychologie 07.02.2014

"In der Wahlzelle wirft eigennütziges finanzielles Interesse einen langen Schatten. Auch wenn die Menschen betonen, dass sie aus intellektuellen Gründen für niedrige Steuern stimmen. Unsere Studie gibt empirische Hinweise darauf, dass Wahlentscheidungen aus Eigennutz getroffen werden", erklärt Andrew Oswald von der Universität von Warwick. Co-Autor Nick Powdthavee: "Wir wissen nicht genau, was in den Köpfen der Menschen vorgeht. Aber es sieht so aus, als würde Geldbesitz die Menschen dazu bringen, konservative und rechte Ideen vorzuziehen. Der Mensch ist offenbar ein Geschöpf mit biegsamer Moral."

Einstellung verändert sich

Die Studie:

"Does Money Make People Right-Wing and Inegalitarian? A Longitudinal Study of Lottery Winners" von Nattavudh Powdthavee und Andrew J. Oswald, erschienen Februar 2014.

Die Wissenschaftler analysierten die Daten von in Großbritannien seit 1991 jährlich zwischen September und Weihnachten unter 25.000 Erwachsenen durchgeführten Haushaltsumfragen. Seit 1997 werden dabei auch die Spielgewohnheiten und -Erfahrungen der wettbegeisterten Briten abgefragt. Das Hauptsample umfasste Lotteriegewinner im Jahr des Gewinns, die entweder angaben, die Labour Party oder die Conservative Party zu unterstützen. Daraus ergaben sich 9.003 Datensätze von 4.277 Personen.

94,65 Prozent waren kleine Gewinne (ein bis 499 britische Pfund; 600 Euro), 5,35 Prozent hatten mittlere bis große Gewinne (mehr als 500 Pfund; bis zu 200.000 Pfund oder 240.000 Euro). In Großbritannien spielen 57 Prozent der Erwachsenen bei der National Lottery mit, 60 Prozent davon sogar wöchentlich.

Die Analyse nach der Veränderung der politischen Einstellung mit und ohne Gewinn im Lotto erbrachte ein frappierendes Ergebnis: Nicht-Lotto-Spieler und Nicht-Gewinner, die noch nie konservativ gewählt hatten, freundeten sich zu 13 Prozent mit den Konservativen an. Ein Lotto-Gewinn zwischen einem und 499 Pfund ließ 14 Prozent "rechts" fühlen. Die "Glücklichen" mit mehr als 500 Pfund Zugewinn aber neigten den Forschern zufolge um fünf Prozentpunkte häufiger (knapp 18 Prozent) zu späterem "stockkonservativem" Verhalten. Dies waren 541 Personen.

Reich und rechts

Studienleiter Oswald gegenüber der APA: "Der Unterschied zwischen Nichtgewinnern und Gewinnern beträgt etwa fünf Prozentpunkte." Die Wissenschaftler in einer Aussendung: "In den meisten Datensätzen zeigen Reichere politische Einstellungen, die mehr nach rechts weisen." Erstmals habe man mit der neuen Studie aber den Effekt von zugewonnenem Geld belegen können.

Freilich, es könnte ja auch einen Schwellenwert geben, ab dem dann die Super-Reichen wieder philanthropisch oder gar politisch progressiv werden. Bill und Melinda Gates haben zum Beispiel in den vergangenen Jahren Milliarden-Dollar-Anteile ihres Vermögens für gute Zwecke gespendet. Das sei aber auf diese Weise statistisch nicht zu belegen, meinen die britischen Wissenschaftler. Dazu gibt es zu wenige Lotterie-Supergewinner.

Die nicht ganz so reich Gewordenen aber meinen laut den Wissenschaftlern nach ihrem Geldzuwachs überdurchschnittlich häufig: "Die 'normalen' Leute erhalten schon den ihnen zustehenden Anteil am Reichtum der Gesellschaft."

science.ORF.at/APA

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