Standort: science.ORF.at / Meldung: "Lebensfreundlichste Welt im Sonnensystem"

Jupitermond Europa,

Lebensfreundlichste Welt im Sonnensystem

Er ist der Favorit unter Astrobiologen: Europa, jene Welt aus Eis in der Umlaufbahn des Gasriesen Jupiter, auf dem Geologen erst vor wenigen Wochen Geysire entdeckt haben. Dieser Mond ist wahrscheinlich noch wesentlich lebensfreundlicher als bislang gedacht.

Jupitermond Europa 07.02.2014

Planetenwissenschaftler sind sich einig über die Existenz eines riesigen Wasserozeans unter dem Eispanzer von Europa. Er könnte bis zu hundert Kilometer tief sein. Damit enthielte er mehr Salzwasser als es auf der gesamten Erde gibt. Doch nun haben Geologen eine weitere ökologische Nische auf diesem Jupiter-Mond entdeckt, wie Robert Pappalardo vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena erläutert. "An einigen Stellen sieht die Oberfläche von Europa brüchig aus, so als ob sich darunter eine Wärmequelle befände." Planetologen glauben nunmehr, dass dort der Eispanzer geschmolzen ist und sich Seen gebildet haben, deren Wasser vielleicht sogar die Oberfläche erreicht. Aufgrund der Wärmezufuhr von unten bliebe es dort flüssig, wenn die darüberliegende Eisdecke einstürzt.

Die Tagung:

The Habitability of Icy Worlds in Pasadena, Kalifornien

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell am 7.2., 13:55 Uhr

Sollten Weltraumteleskope von der Erde oder künftige Raumsonden vor Ort wie JUICE von der europäischen Weltraumagentur ESA oder der Europa Clipper der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA solche Seen nachweisen, wäre Europa der einzige bekannte Himmelskörper im gesamten Sonnensystem neben der Erde, auf dessen Oberfläche sich flüssiges Wasser nicht nur kurzzeitig bildet - wie auf dem Mars -, sondern sich auch halten könnte.

Galaktische Glühwürmchen

Diese neuesten Erkenntnisse bestätigen die Einschätzung von Astronomen und Geologen weltweit, dass kein anderer Himmelskörper der Entstehung von Leben so nahegekommen ist wie Europa. Tiefer unten, unter dem Eispanzer, könnte es beispielsweise Lebensformen geben, die irdischen Tiefseefischen ähneln. Sie wären an die ewige Dunkelheit unter dem kilometerdicken Eispanzer angepasst und hätten - so wie der Anglerfisch oder wie Glühwürmchen - das Selbstleuchten für sich entdeckt. "Es gibt eine Menge chemische Reaktionen, die in der Lage sind, biochemisches Licht zu erzeugen", erklärt Claudio Flores Martinez vom Zentrum für organismische Studien der Universität Heidelberg .

Daher sei Biolumineszenz eine Biosignatur, die man im Ozean von Europa einsetzen könnte, auch ohne eine Kenntnis der Physiologie der möglicherweise dort vorkommenden außerirdischen Lebensformen zu haben. "Ich denke dabei an marine Organismen wie Plankton und sonstigen Mikroorganismen, aber auch an komplexere Lebensformen wie Quallen", so der Astrobiologe.

Derzeit werden solche Roboter unter dem Eis der Antarktis eingesetzt, um dort entsprechende Lebensformen anzuziehen und nachweisen. Dieses Verfahren hat sich bereits bewährt: Die kürzlich veröffentlichten Videoaufnahmen eines Riesentintenfischs in japanischen Gewässern gelangen mit diesem Biomimikry genannten Prinzip. Eine unbemannte Sonde hatte die Biolumineszenz einer Qualle nachgeahmt, wodurch das 15 Meter lange Tier angelockt wurde und erstmals auf Film gebannt werden konnte.

Guido Meyer, science.ORF.at

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