Standort: science.ORF.at / Meldung: "Galileo Galilei: Tüftler und Weltveränderer"

Originalaufzeichnungen vom Prozess gegen Galilei im Vatikan

Galileo Galilei: Tüftler und Weltveränderer

Am 15. Februar 1564 erblickte Galileo Galilei in Pisa das Licht der Welt. Aus Galilei sollte einer der bedeutendsten Astronomen, Mathematiker, Physiker und Philosophen werden. Seine Erfindungen und Entdeckungen waren teilweise revolutionär, der Vatikan stempelte ihn zum Ketzer - und brauchte dann Jahrhunderte, um diesen bösen Irrtum auszumerzen.

450. Geburtstag 14.02.2014

Europa verbeugt sich vor seinem großen Pionier: Es nannte sein Milliardengroßprojekt der Satellitennavigation "Galileo".

Neues Weltbild

Der Begründer der modernen, auf Experimenten beruhenden Physik widmete sich bereits als Student den Gesetzen der Pendelschwingungen, untersuchte die Fallgesetze und erfand die hydrostatische Waage für die spezifischen Gewichte. Im Alter von nur 28 Jahren wurde der hochbegabte Toskaner in Padua Professor, entdeckte mit einem von ihm verbesserten Fernrohr Mondberge und die Phasen der Venus. Ein Meilenstein war seine Erkenntnis, dass unzählige Sterne die Milchstraße bilden.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Fall Galileo Galilei widmen sich auch die Dimensionen am 12. Februar 2014 um 19:05.

Nebenbei erfand er auch viel Kurioses, so etwa einen automatischen Paradeiserpflücker und einen Taschenkamm, der auch als Besteck verwendet werden konnte. 1615, als er bereits fünf Jahre in Florenz tätig war, begann sein Konflikt mit dem Vatikan. Sein Hauptwerk sollte der "Dialog über die zwei großen Weltsysteme" sein.

Galilei schaffte es mit seinem intensiven Blick in das Sonnensystem, wissenschaftlich zu beweisen, was von Nikolaus Kopernikus bereits 1514 als Theorie aufgestellt worden war: Die Sonne ist der Stern unseres Systems, um den alle Planeten kreisen, also auch die Erde - das heliozentrische Weltbild. Dieses schien gegen die Bibel zu stehen. Das päpstliche Inquisitionsgericht verurteilte Galileis Abkehr vom "ptolemäischen Weltbild" als Irrtum, verbat ihm die Verbreitung und setzte die Kopernikus-Schrift auf den Index. Doch der toskanische Astronom ließ nicht locker, studierte das Sonnensystem weiter und landete so zu einem entscheidenden Showdown vor Gericht.

"Und sie bewegt sich doch"

Dass der Sternengucker und Tüftler, Sohn eines Musikers aus einem pisanischen Patriziergeschlecht, mit dem von ihm selbst verbesserten Fernrohr aus Holland die Milchstraße und Mondoberfläche erforschte, die ersten vier Jupitermonde entdeckte und sich den Sonnenflecken widmete, das alles hatte dem mächtigen Vatikan durchaus gefallen. Die päpstlichen Gelehrten schätzten den Begründer der modernen Astronomie - bis der unbeirrbare Galilei das Weltbild der katholischen Kirche zu Fall brachte. Diese glaubte noch, dass sich alles um die Erde drehe.

Das zweite Mal also brachten die Jesuiten den ebenso emsigen wie aufmüpfigen Gelehrten vor die vatikanische Justiz. 1633 urteilte das Inquisitionsgericht, er müsse abschwören. Offen ist, ob Galilei, zunächst zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die ihm abgetrotzte Abschwörung wirklich mit dem seither weltbekannten Spruch "Und sie (die Erde, Anm.) bewegt sich doch" ("Eppur si muove") quittierte.

Immerhin war Papst Urban gnädig genug, die Haftstrafe in eine Art Hausarrest umzuwandeln: Der ketzerische Wissenschaftler wurde nur auf seinen Landsitz in Arcetri bei Florenz verbannt. Neun Jahre später, am 8. Jänner 1642, starb der erblindete Astronom, der das Weltbild der Neuzeit umwarf, im Alter von 77 Jahren. An seinem Geburtstag kann seine Villa auf den Hügeln über Florenz besichtigt werden.

Späte Entschuldigung

Und der Vatikan? Mehr als 350 Jahre mussten seit seinem Tod vergehen, bis die katholische Kirche mit Galilei 1992 dann ihren Frieden machen konnte. "Merkwürdigerweise zeigte sich Galilei als aufrichtig Glaubender weitsichtiger als seine theologischen Gegner", bemerkte Johannes Paul II. in einer historischen Wiedergutmachungsrede am 31. Oktober 1992.

"Nie wieder ein Fall Galilei", so wollte der polnische Papst Kirche und Wissenschaft versöhnen. Enttäuscht waren manche nur darüber, dass Johannes Paul II. defensiv meinte, Galileis Richter hätten "in gutem Glauben" gehandelt bei ihrem Prozess gegen ihn. Der inzwischen um mehr Transparenz bemühte Vatikan gab später sämtliche Akten zu den Verhandlungen gegen den "Ketzer" Galilei heraus.

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

Mehr zum Thema: