Standort: science.ORF.at / Meldung: "Affe lenkt einen Artgenossen per Gedanken"

Rhesusaffe beim Fressen

Affe lenkt einen Artgenossen per Gedanken

US-Forscher berichten von einem Fortschritt in der Forschung zugunsten von Gelähmten: In einem Experiment hat ein Affe nur mit Hilfe seiner Gedanken den Arm eines narkotisierten Artgenossen bewegt.

Neurowissenschaft 19.02.2014

Ihre Ergebnisse könnten gelähmten Menschen möglicherweise helfen, bestimmte Teile ihres Körpers wieder zu bewegen, sagte die Neurowissenschaftlerin Maryam Shanechi von der Cornell-Universität im US-Bundesstaat New York der Nachrichtenagentur AFP. "Wir zeigen, dass ein Lebewesen mit seinen Gedanken gelähmte Gliedmaßen kontrollieren kann."

Die Studie:

"A cortical-spinal prosthesis for targeted limb movement in paralysed primate avatars" von Maryam Shanechi und Kollegen ist am 18.2.2014 in "Nature Communications" erschienen.

Zwei Affen neuronal miteinander verbunden

Zur Überwindung von Lähmungen arbeiten Forschergruppen weltweit an Brain-Computer-Interfaces (BCI): also an Schnittstellen zwischen Computern und Gehirn, die sich zur Steuerung verschiedener Werkzeuge verwenden lassen. Die aktuellen Experimente waren noch komplexer: Sie verbanden die Nervensysteme von zwei Lebewesen - konkret von zwei Rhesusaffen - miteinander.

Der eine wurde vollständig narkotisiert, so dass keine Verbindung zwischen seinem Gehirn und seinen Extremitäten bestand. Ein Arm des Tiers war mit einem Joystick verbunden, der zweidimensionale Bewegungen aufnahm. Ein zweiter Affe saß vor einem Bildschirm, auf dem ein gelber Punkt und ein grüner Kreis zu sehen waren. Sein Gehirn wurde über Elektroden mit dem Rückenmark des sedierten Affen verbunden.

Der Affe vor dem Bildschirm sollte in dem Experiment mittels seiner Gedanken anstreben, den gelben Punkt in den grünen Kreis zu bringen. Der Wunsch sollte auf den narkotisierten Affen übertragen und dessen Arm die entsprechenden Bewegungen mit dem Joystick machen.

Die Joystick-Bewegungen wiederum wurden auf den Monitor des ersten Affen übertragen. Sobald der gelbe Punkt in den Kreis eintrat, erhielt der Affe vor dem Bildschirm zur Belohnung einen Schluck Saft. Resultat: In 84 Prozent der Versuche gelang das Experiment.

Auch auf Menschen übertragbar?

In früheren Untersuchungen war es bereits gelungen, dass Menschen eigene Bewegungen mit Gedankenkraft steuerten. Nach Angaben der US-Forscher wurden nun aber erstmals die Gedanken eines Lebewesens genutzt, um ein anderes zu steuern.

Dies sei ein Beweis dafür, dass keine körperliche Verbindung zwischen dem Gehirn und gelähmten Gliedmaßen notwendig sei, um diese bewegen zu können, gaben die Forscher an. Nun müsse herausgefunden werden, wie sich die Erkenntnisse auf gelähmte Menschen übertragen ließen.

science.ORF.at/AFP

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