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Lemuren aus Madagaskar

Aktionsplan für Lemuren gefordert

Die nur auf Madagaskar lebenden Lemuren sind die am stärksten bedrohte Säugetiergruppe. In ihrer Heimat kommen sie durch Wilderei, Abholzung und Bergbau zunehmend unter Druck. Wissenschaftler fordern nun im Fachjournal "Science" einen dreijährigen Notfallsplan, um das Aussterben zahlreicher Lemurenarten zu verhindern.

Madagaskar 21.02.2014

Notwendig dafür wären nicht mehr als 7,6 Mio. Dollar (5,53 Mio. Euro).

Lebensraum schrumpft

Die Studie in "Science":

"Averting Lemur Extinctions amid Madagascar's Political Crisis" von C. Schwitzer et al., erschienen am 21. Februar 2014.

Rund 100 Lemuren-Arten leben auf Madagaskar, sie stellen damit mehr als 20 Prozent aller Primatenarten. Doch der Lebensraum der Tiere - tropische und suptropische Wälder - wird immer kleiner. Nur mehr zehn bis 20 Prozent der ursprünglichen Wälder sei noch intakt, schreiben die Wissenschaftler, darunter Marni LaFleur vom Institut für Populationsgenetik der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Vor allem in den vergangenen Jahren mit politischen Unruhen seien viele Schutzgebiete verschwunden. Die Konsequenz: Laut Weltnaturschutzunion (IUCN) gelten mittlerweile 94 Prozent der Lemuren-Arten als gefährdet, 2008 waren es erst 74 Prozent.

Doch die Lemuren haben eine wichtige ökologische Rolle, ihr Aussterben würde eine Kaskade weiterer Artverluste nach sich ziehen, warnen die Forscher. So hängen Raubtiere wie die Madagaskarhöhlenweihe oder die Fossa von den Lemuren ab, diese sorgen auch für die Verteilung von Pflanzensamen, erklärte LaFleur gegenüber der APA. Die Kanadierin hat ihr Doktorat über die Ökologie einer Lemurenart geschrieben, ist Mitglied einer Gruppe von Primaten-Spezialisten des IUCN und arbeitet seit vergangenem Jahr als Postdoc an der Vetmed.

Günstige Rettung

Auch der Hauptautor des "Science"-Artikels, Christoph Schwitzer von der Bristol Zoological Society, warnt: "Wenn wir nicht sofort handeln, riskieren wir den Verlust einer ganzen Unterordnung von Primaten." Er verweist aber auch auf die wirtschaftliche Rolle der zur Gruppe der Feuchtnasenaffen zählenden Primaten: "Lemuren ziehen Touristen an, die auf der Insel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden sind."

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten mit vergleichsweise geringen Mittel in Höhe von 7,6 Mio. Dollar zahlreiche Lebensräume geschützt werden. In ihrem Notfallplan schlagen sie Schutzmaßnahmen für 30 Gebiete vor, in denen gefährdete Lemurenarten leben. Als weitere Maßnahmen empfehlen sie einen Ausbau des Ökotourismus und den Aufbau von Forschungsstationen vor allem in den gefährdeten Gebieten. Der Tourismus würde der lokalen Bevölkerung eine Lebensgrundlage bieten und die ständige Anwesenheit von Wissenschaftlern illegale Jagd und Abholzungen verhindern. Zudem sollte das Management von Schutzgebieten verbessert und diese unter Verwaltung lokaler Gemeinden gestellt werden.

"Wir laden alle Beteiligten dringend ein, unsere Bemühungen zu unterstützen, um den Fortbestand der Lemuren und den biologischen, kulturellen und wirtschaftlichen Reichtum, den sie repräsentieren, zu sichern", so Schwitzer, "Madagaskar - und die Welt - wäre zweifellos ärmer ohne Lemuren." Madegassische Behörden hätten bereits ihre Unterstützung zugesagt, sagte Lafleur.

science.ORF.at/APA

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