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Bakterien unter dem Mikroskop

Essig tötet gefährliche Bakterien

Mikrobiologen aus Venezuela votieren für den Einsatz eines alten Hausmittels in Labor und Operationssaal: Essig vernichtet TBC-Erreger und wäre eine Alternative für teure Desinfektionsmittel.

Labor 25.02.2014

Wer mit gefährlichen Erregern arbeitet, sollte den Arbeitsplatz besser sauber halten und beim Entsorgen von Zellkulturen auf Nummer sicher gehen. Das tun viele Forscher mit Hilfe von Chlorverbindungen wie Natriumhypochlorit. Die Substanz wirkt wie ihr Name klingt: Sie ist toxisch, korrosiv und mit Vorsicht zu gebrauchen.

Für Labors westlicher Standards mag der Preis solcher Substanzen kein vordringliches Thema sein, in Entwicklungsländern ist das freilich anders. Daher suchte Howard Takiff vom Forschungsinstitut IVIC in Caracas, Venezuela, schon seit längerem nach preiswerten Methoden, um Mykobakterien effektiv abzutöten. Zu dieser Gruppe gehören etwa die Erreger von Tuberkulose und Lepra, viele Bakterien dieser Gattung sind auch gegen Antibiotika resistent.

"Sie lösen schwere Infektionen aus, machen häufig monatelange Therapien notwendig und können hässliche Narben hinterlassen", schreibt Takiff in einer Aussendung seines Instituts.

Selbst Haushaltsessig wäre wirksam

Wie so oft wies der Zufall den Weg zur gesuchten Lösung: Takiffs Mitarbeiterin Claudia Cortesia untersuchte diverse Wirkstoffe gegen Mykobakterien, von denen einer in Essigsäure gelöst werden musste. Hier erweist sich auch die Kontrolle, also Essigsäure alleine, als äußerst wirksam.

"Nach Claudias Beobachtung suchten wir nach der minimalen Konzentration, die Mykobakterien sicher tötet", sagt Takiff. Wie die Forscher im Journal "mBio" schreiben, vernichtet bereits eine sechsprozentige Essigsäurelösung innerhalb von 30 Minuten TBC-Erreger und andere resistente Keime der gleichen Gruppe.

Das ist nur schwach saurer als Haushaltsessig, der in der Regel eine Essigsäurekonzentration von fünf Prozent aufweist. Selbst bei sehr hartnäckigen Vertretern der Gattung wie etwa Mycobacterium abscessus ist nur geringfügige Steigerung der Konzentration auf zehn Prozent notwendig.

Die Desinfektion funktioniert überdies auch dann, wenn Albumine und rote Blutkörperchen die Geräte verschmutzen, wie das bei Operationen der Fall ist. Fazit: Es geht auch ohne den Einsatz chemischer Bomben. Takiff schätzt, dass Mediziner und Wissenschaftler in Entwicklungsländern für 100 US-Dollar mindestens 20 Liter TBC-Kulturen und andere klinische Proben sicher entsorgen könnten.

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