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Fruchtfliege Drosophila in Großaufnahme

Dümmer durch fehlende Konkurrenz

Wenn männliche Fruchtfliegen nicht um potenzielle Partnerinnen konkurrieren müssen, bauen sie nach einigen Generationen geistig ab. Das haben Biologen der Universität Lausanne bei Experimenten herausgefunden.

Fliegen 26.02.2014

Brian Hollis und Tadeusz Kawecki brachten drei Populationen von Fruchtfliegenmännchen (Drosophila melanogaster) immer paarweise mit Weibchen in Gläsern zusammen, so dass sie sich ohne Nebenbuhler paaren konnten. Bei drei anderen Populationen konkurrierten die Männchen mit Artgenossen um die Weibchen. Nach mehr als 100 Generationen verglichen die Forscher das Paarungsverhalten beider Gruppen.

Die Studie

"Male cognitive performance declines in the absence of sexual selection", Proceedings of the Royal Society B (26.2.2014; doi: 10.1098/rspb.2013.2873).

Fruchtfliegen, die keine Konkurrenz gewohnt waren, paarten sich viel häufiger mit Weibchen, die nicht empfangsbereit waren. Tiere aus der anderen Gruppe steuerten dagegen meist zielstrebig die richtigen (also empfangsbereiten) Weibchen an - und hatten dadurch mehr Nachkommen. Die komplexe Situation habe die konkurrenzlosen Fliegen überfordert, schreiben die Forscher in ihrer Studie.

Lernvermögen vermindert

Im nächsten Versuch testeten Hollis und Kawecki die Lernfähigkeit der beiden Gruppen. Dazu setzten sie die Fruchtfliegen nacheinander zwei verschiedenen Düften aus. Bei Präsentation von Duft Nummer zwei schüttelten die Forscher allerdings das Fliegenglas - quasi ein Erdbeben in Insektendimension.

Später konnten die Insekten an einer T-Kreuzung zwischen beiden Düften wählen. Resultat: Die Fliegen aus der Konkurrentengruppe entschieden sich deutlich häufiger gegen den "geschüttelten" Duft. Sie hatten offenbar besser gelernt, die Schocksituation zu vermeiden, folgern die Forscher.

Bei Weibchen führte fehlende Konkurrenz am Heiratsmarkt indes nicht zur Schwächung der Geisteskraft. Vermutlich deshalb, weil die weiblichen Fruchtfliegen ihren Eiablageplatz mit 50 anderen Artgenossinnen teilen mussten und daher anderweitig mit Konkurrenz zu kämpfen hatten.

science.ORF.at/dpa

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