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Eine Frau liegt mit Schnupfen im Bett und putzt sich gerade die Nase

Die Evolution von Grippeviren vorhersagen

Wissenschaftler aus Deutschland und den USA haben ein Modell erarbeitet, um die Evolution von Grippeviren von einem Jahr auf das nächste vorauszusagen. Dieses soll dabei helfen, bessere Grippeimpfstoffe herzustellen.

Prognose 27.02.2014

Grundlage des Modells ist nach Angaben der Autoren das von Charles Darwin beschriebene Evolutionsprinzip, wonach nur die fittesten Individuen überleben. Aber was bestimmt die Fitness eines Grippevirus? "Bekommt ein Mensch die Grippe, wird er als Individuum für den Rest seines Lebens gegen diesen Grippestamm immun", sagt der Kölner Physiker Michael Lässig, ein Co-Autor der Studie.

Würde sich der Grippestamm nicht verändern, gingen ihm nach und nach die Wirte aus, da er jeden nur einmal nutzen kann. Da aber das Virus seine Eigenschaften ständig verändert, kann das menschliche Immunsystem das Virus nicht mehr erkennen. Daher bekommt der Mensch die Grippe immer wieder.

Die Studie

"A predictive fitness model for Influenza", Nature (27.2.2014; doi: 10.1038/nature13087).

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 27.2. um 13:55.

Modell sagt Fitness voraus

"Erfolgreiche Mutanten sind jedoch auch konservativ, sie müssen alle wichtigen Funktionen des Grippevirus erhalten", schreibt die Kölner Uni in einer Aussendung. Lässig ergänzt: "Anhand von Genomdaten können wir vorhersagen, welches Virus eine höhere Fitness hat als andere."

Die Methode ermöglicht nach Uni-Angaben eine neue, systematische Auswahl von Impfstämmen. Inwieweit das zu verbesserten Impfstoffen führt, wird sich jedoch erst nach weiteren umfangreichen Tests mit weltweiten Influenza-Daten zeigen.

Es gehe bei der Forschungsarbeit auch um die grundsätzliche Frage, ob aus der Evolutionsbiologie eine vorhersagende Wissenschaft gemacht werden könne, sagt Lässig. "In einigen glücklichen Fällen ja, sicher aber nicht für alles."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet die Evolution der Grippeviren seit 60 Jahren und wählt jeweils auf dieser Grundlage Grippe-Stämme für die Produktion von Impfstoffen aus. Da sich das Virus schnell verändert, ist dies eine schwierige Herausforderung für die weltweite Gesundheitsvorsorge. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin hatte beispielsweise der Grippe-Impfstoff für die Saison 2012/2013 nur eine "moderate" Wirksamkeit.

science.ORF.at/APA/dpa

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