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Zwei Passanten mit Regenschirm

Regentropfen zählen aus dem All

Niederschlag ist zentral im Wettergeschehen: zu wenig führt zu Dürren, zu viel zu Überschwemmungen. Um Niederschlag besser vorhersagen zu können, starten nun die Weltraumagenturen der USA und Japans ein neues Satellitenprojekt: das Global Precipitation Measurement (GPM).

Satellitenmessung 27.02.2014

Eine neue Ära der Wettervorhersage und der Klimaforschung - so sehen die Raumfahrtagenturen der USA und Japans ihr gemeinsames Satellitenprojekt "GPM"

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Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 27.2. um 13:55.

Ob Regen, Graupel oder Schnee

Alle drei Stunden soll ersichtlich sein, wo es Niederschlag auf der Erde gibt - schilderte der GPM-Projektmitarbeiter vom NASA Goddard Space Flight Center in Washington DC, Arthur Hou, im Herbst. Arthur Hou ist Ende des Jahres an Krebs gestorben.

Satelliten könnten wesentlich genauere Daten liefern als Regenmessstationen am Boden, ergänzt die Geowissenschaftlerin Dalia Kirschbaum (GPM Applications Scientist) in einem Video, das die US-amerikanische Weltraumagentur NASA veröffentlicht hat: "Satelliten ermöglichen uns ein viel genaueres, weltweites Bild des Regens."

Mikro- und Radarwellen scannen Wolken

Herzstück ist ein Erdbeobachtungssatellit, der Niederschlag mit zwei zentralen Instrumenten auf zwei Arten messen kann: mit einem "Dual-Frequenz-Radar"(entwickelt von der japanischen Weltraumagentur JAXA) und einem Mikrowellenradiometer (entwickelt von der US-amerikanischen NASA).

Die Meteorologin Gail Skofronick Jackson (GPM Deputy Project Scientist) vergleicht die beiden Instrumente mit Röntgen und Computertomographie bei einer medizinischen Untersuchung - werden in diesem Falle jedoch Wolken durchleuchtet: "So wie ein Arzt Röntgen verwendet - nehmen wir das Beispiel für das Radiometer - und ein CAT-Scan (computer-assisted tomography. Anm.) - als Beispiel für das Radar -, um zu diagnostizieren, was in Wolken vorgeht."

Einer reicht nicht

Das Netzwerk arbeitet nicht nur mit dem einen Satelliten (dem "GPM Core Satellit") 407 Kilometer über dem Erdboden, sondern bezieht Daten von anderen Satelliten ein (zum Teil bereits aktiven, zum Teil erst geplanten).

Man hofft damit, den globalen Wasserkreislauf und seine Auswirkungen auf das weltweite Klima untersuchen zu können und außerdem die Wettervorhersage zu revolutionieren, so der Projektverantwortliche Steven Neeck: "GPM wird unser Wissen um Niederschlag grundlegend verbessern - sowie unsere Möglichkeiten, ihn und seine Folgen vorherzusagen."

Der Start des Satelliten ist heute Abend vom Tanegashima Space Center in Japan geplant. Der Regelbetrieb, so hoffen JAXA und NASA, soll in circa 60 Tagen beginnen.

Barbara Daser, Ö1 Wissenschaft

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