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Illustration amerikanischer Ureinwohner

Uramerikaner: 10.000 Jahre Zwischenstation

Die Vorfahren der amerikanischen Ureinwohner haben möglicherweise bis zu 10.000 Jahre lang auf der später im Meer versunkenen Beringbrücke zwischen Sibirien und Alaska gelebt, bevor sie sich in Nordamerika ausbreiteten. Diese schon seit längerem existierende Theorie wird nun durch neue Forschungsergebnisse gestützt.

Wanderung 28.02.2014

Der Artikel im "Science":

"Out of Beringia?" von John F. Hoffecker et al., erschienen am 28. Ferbuar 2014.

Die Vorfahren der Indianer überlebten demnach auf der Beringbrücke die jüngste Eiszeit - vermutlich herrschte dort ein relativ mildes Klima. Die Wissenschaftler von den Universitäten der US-Bundesstaaten Colorado und Utah sowie des Royal Holloway College an der University of London schreiben in einem Perspective-Artikel im aktuellen "Science", dass die Fossilien von Pflanzen und Insekten aus dem Sediment der Beringbrücke darauf hinweisen. Die Brücke liegt heute 50 bis 60 Meter unter der Meeresoberfläche. Die Analyse von Käfer-Fossilien habe gezeigt, dass die Temperaturen während der jüngsten Eiszeit vor rund 27.000 bis 20.000 Jahren auf der Landbrücke nur wenig kühler waren als sie es heute in der Region sind, berichten die Forscher.

Relativ günstige Lebensbedingungen

Nach Angaben des Autors John Hoffecker von der University of Colorado fand man zudem, dass die Beringbrücke während der jüngsten Eiszeit von einer Tundra-Vegetation aus Gestrüpp und einigen wenigen Baumarten bewachsen war. Diese Vegetation habe den Vorfahren der amerikanischen Ureinwohner, die aus Asien hinübergewandert waren, das Überleben ermöglicht.

Dies sei damals die einzige Region der Arktis gewesen, in der solche Holzgewächse vorkamen, erläutert der Geograph Scott Elias vom Royal Holloway College. Mit dem Holz hätten die Menschen "in dieser bitterkalten Weltregion Lagerfeuer gemacht". Auf die Feuer hätten sie die Knochen erlegter Säugetiere gelegt. Das Fett aus den Knochen habe das Feuer in den arktischen Winternächten am Leben gehalten - und nur so hätten die Menschen überleben können.

Wann die ersten Menschen den amerikanischen Kontinent erreichten, ist nach wie vor umstritten. Viele Archäologen gehen jedoch davon aus, dass es vor etwa 15.000 Jahren war, als das Abschmelzen von Gletschern Landwege in den Kontinent frei machte. Die Vorfahren der Indianer waren vor etwa 25.000 Jahren aus Asien losgezogen. Die Theorie, dass sie bis zu 10.000 Jahre auf der Beringbrücke verbrachten, füllt die zeitliche Lücke zwischen ihren Aufbruch aus Asien und der Ankunft in Amerika.

science.ORF.at/APA/AFP

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